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Wibke Ladwig :: Social Media Ranger :: Falafel mit Bulgur-Salat

Meze #genusstrotztkrise Falafel

Unser Wochenendbeitrag kommt aus der Heimbüroküche von Social-Media-Rangerin Wibke Ladwig. Wie sie so als Home-Office-Erfahrene und Kreative die Zeit momentan so erlebt, erzählt sie uns im Interview bei #genusstrotztkrise . Und sie hat – als professionelle Frei-Schnauze-Köchin – ein orientalisches Gericht aus einem Hädecke-Buch im Gepäck!

Das Interview

Stellst Du Dich kurz vor? Ich bin Wibke Ladwig. Im Netz findet man mich mit @sinnundverstand [z.B. hier auf Twitter oder auf Instagram]

In welchem Bereich arbeitest Du? Hauptsächlich bringe ich Menschen das digitale Leben und Arbeiten näher. Als Coachin, Beraterin und Praktikerin arbeite ich an der Mensch-Internet-Schnittstelle. Irgendwann hatte ich für mich den Beruf der Social-Web-Rangerin erfunden, in  dem ich Institutionen und Unternehmen dabei unterstütze, den digitalen öffentlichen Raum in guter Weise zu gestalten. Weil beides eng damit zusammenhängt, mache ich auch Workshops, die der Kreativität im Team auf die Sprünge helfen. Ich schreibe und denke mir Konzepte aus, mit denen sich in digitalen Räumen Gemeinschaft und Verbundenheit schaffen lassen.
Als Teil des Kreativkollektivs Die Herbergsmütter experimentiere ich, wie sich Kunst und Kultur mit dem Digitalen spielerisch verbinden lässt.

Wie bist Du aktuell von der „Corona-Krise“ betroffen? Vieles meiner Arbeit findet im nicht-digitalen Raum statt: Meine Coachings und Workshops fürs Digitale finden in der Regal ganz handfest und vor Ort statt. Ich gebe gern den Händen und Füßen etwas zu tun, damit der Kopf freier wird und sich Mut und Ideen aus der Bewegung ergeben. Manche Projekte waren kurz vorm Start oder noch in der Planungsphase. So gut wie alle meiner Aufträge sind gestoppt, wurden verschoben oder finden in reduzierter Form statt.

Welche Auswirkungen wird das vermutlich haben? Nachdem ich zunächst geradezu gelähmt und recht mutlos war, kehrt mittlerweile nicht nur die Tatkraft zurück. Es zeichnen sich auch neue Projekte ab. Mich erreichen Anfragen, weil sich mancherorts nun ein frisches Interesse an der Nutzung von Social Media abseits von Reklame entwickelt. Auch gibt es ein wiedererwachtes Interesse an experimentellen Formaten in Social Media. Das heiße ich gut, denn da gab es zuletzt eher Stillstand.

Welche Ideen hast Du, um diese Zeit trotzdem so gut wie es geht zu überbrücken? Noch vor zwei Wochen war ich sehr müde und habe einfach viel geschlafen. Offenbar musste in mir einiges ankommen. Da stört ein wacher Geist nur. Nun litt ich noch nie an Ideenmangel. Tatsächlich ist allzu oft das Gegenteil der Fall, was nicht weniger lästig ist, als keine Ideen zu haben. Im Hintergrund entsteht seit einer Weile ein Buch. Daran arbeite ich nun weiter. Die Texte auf meiner Website bedürfen einer Erfrischung.
Ganz konkret tut es mir momentan gut, die Heimbürokantine zu schmeißen. Der Mann ist vor drei Wochen in die Heimbürogemeinschaft gezogen, macht also auch Homeoffice. Nun koche ich mittags immer für uns. Bisher gab’s keine Beschwerden!

Wibke Ladwig, Social Media Ranger

Welche Wünsche hast Du an das Netzwerk draußen und gibt es vielleicht schon besonders gute Ideen, denen Du im Netz begegnet bist? Wenn ich es mir recht überlege, gibt es in der Tat zwei Wünsche: Als Totschlagargument begegnete mir in meinen Coachings inbesondere von Teams öffentlicher Bibliotheken gern, dass im Alltag keine Zeit da sei für Social Media. Nun, die Bibliotheken sind geschlossen. Bitteschön. Es ist eine gute Zeit, sich mit der eigenen Medienkompetenz und die anderer auseinanderzusetzen, sich abseits der Fixierung auf das eigene Tun mit anderen auszutauschen und zu verbinden. Tut es!

Ein anderer Wunsch ist: Weniger Wettbewerb. Seid freundlich zueinander. Achtet aufeinander. Es geht momentan einfach mal nicht darum, Erster und Bester zu sein, sondern meines Erachtens können wir nur versuchen, miteinander durchzuhalten und bei guter seelischer und körperlicher Gesundheit zu bleiben – im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten.

Als die Zeit der Schließungen von Bibliotheken, Museen und Theatern losging, war ich ganz entzückt von den digitalen Kulturangeboten. Inzwischen fühle ich mich von der Fülle etwas erschöpft. Oft fehlt wieder einmal die Zeit zum Hinhören und die Lust zum Gespräch bei allen Inhalten, die rausgeschubst werden. Die Aktivität wird dann auch rasch wieder abgegeben. Anstatt also selbst kreativ zu werden, sollen es nun die Follower:innen richten. Da fehlt mir dann die Freude am gemeinsamen Tun und Ausloten. Dazu fand ich auch den Artikel im Blog des Marta Herford gut.
Natürlich, @tussenkunstenquarantaine. Ich dachte bei mir schon öfter, dass man diese Menschen, die mit Inbrunst Kunst nachstellen, gar nicht mehr zur Arbeit lassen sollten. Wunderbar! Ich verfolge auch gern, was aus dem Kunstvermittlungsnähkästchen kommt, etwa das Schnur-Ei vom arpmuseum und das Kunsthalle-DIY der Kunsthalle Karlsruhe. Davon wünsche ich mir sowieso mehr, gerade auch, weil man dann auch mal als Erwachsene Sachen entdeckt, die in Museen oft Kindern vorbehalten bleiben.
Ich freue mich auch gerade sehr über den Einfallsreichtum und die Tatkraft, mit der der unabhängige Buchhandel Bücher, Hörspiele und Spiele lieferbar hält. Gerade die Buchläden, die schon seit Jahren mit ihrer Präsenz und mit ihren Ideen den digitalen Raum gestalten, profizieren endlich nah und weithin sichtbar von ihrem Voranschreiten.   

Wie kann man Dich (und Dein Unternehmen) jetzt aktuell am besten unterstützen? Momentan freue ich mich am meisten über jede*n, der oder die mein Blog liest, in dem ich über meine Gänge ins Heimbüro schreibe. Schreiben hält mich gerade gesund und munter. Und vielleicht hört Ihr mal rein in den neuen Podcast, den ich mit zwei Nachbarn gerade starte: Agnes trifft. Wir senden aus dem Agnesviertel aus Köln.

Alles andere ist derzeit so unabsehbar. Unterstützt Euren lokalen Buchhandel, ohnehin die Geschäfte und Gastronomie in Eurer Nachbarschaft. Setzt Euch mit Euren öffentlichen Bibliotheken in Social Media in Verbindung. Verlängert die Reichweite ihrer digitalen Angebote, die momentan übrigens kostenlos sind. Damit unterstützt Ihr die Menschen, die meine Angebote in Anspruch nahmen und nehmen. Vielleicht glauben sie mir dann ein wenig mehr, dass Social Media eben nicht nur Media ist, sondern auch eine Ortschaft.

Was isst Du am liebsten in solchen Zeiten? Möglichst vielfältig. Also alles wie immer. Jetzt, im Frühling, begrüße ich jedes Gemüse, dass wieder wächst. Kürzlich gab es Rübstiel, der wohl eher im Westfälischen oder im Rheinland bekannt ist. Für mich schmeckt kaum ein Gemüse mehr nach Frühlingsgrün. Ein Essen aus meiner Kindheit, das kommt noch hinzu.
Ich bin sowieso ein Salatsuchti, also Salate, Salate, Salate. Kalt oder warm. Quer durch die Länderküchen. Selbstausgedachtes und Rezepte. Weil ich augenblicklich den Anspruch habe, die Heimbürokantine abwechslungsreich zu gestalten, blättere ich wieder mehr in Kochbüchern.

Und welches Rezept würdest Du denen empfehlen, die dieses Interview gerade gelesen haben? Gerne mit Tipps, wie man auch Kinder ins Kochen mit einbinden kann. Vergangene Woche machte ich mal wieder Falafel mit Bulgur-Salat. Dafür habe ich mir übrigens Inspiration im schönen Kochbuch Meze geholt. An dieser Stelle gestehe ich aber mal ganz schnell, dass ich die Falafel aus einem Bausatz aus einer Drogeriekette fabriziert hatte, die auch Bio-Lebensmittel führt. Dieser Bausatz lag noch im Vorratsschrank, den ich aufgeräumt hatte, der musste schlicht weg. Da man sich aber momentan vielleicht einfach Zeit nehmen möchte und kann, um gemeinsam zu kochen: Falafel kann man prima selbst machen. Aber wenn man gute Bausätze findet, ist das auch okay.
Das Gute an diesem Gericht, also Falafel mit einem Salat aus Bulgur oder Couscous, ist, dass man endlos viele Variationen kochen kann. Da kann eigentlich alles rein, was schmeckt. In heißem Öl ausgebackene Falafel schmecken so gut wie jedem.
Bulgur-Salat bringt Menschen zum Essen von Salat, die sonst vor einem solchen Ansinnen zurückschrecken. Es ist nicht zeitkritisch, wenn man in Gesellschaft kocht. Jeder findet etwas zum Schnibbeln. Und es schmeckt auch noch frisch und köstlich.
Dann ist es auch noch vegetarisch, oh, sogar vegan, oder? Wenn man nicht gerade Schafskäse in Salat oder Falafel packt. Vegan war es bei uns nicht, weil ich dazu Joghurt reichte. Den türkischen, der leicht säuerlich schmeckt. Und einen Schubs Hummus gab es dazu.
Ich mochte es als Kind immer sehr, wenn ich mitkochen und mitschnibbeln durfte. Das Radio war an. Der Dackel stand immer im Weg. Und alle hatten etwas zu tun. Und da ich Gemüse als Kind am liebsten roh aß, sicherte ich mir beim Schnibbeln unauffällig (naja) meinen Anteil.

Willst Du noch was loswerden? Jeder darf einen Appell, oder? Also: Wenn es irgend möglich ist: Kauft bei Euren regionalen und lokalen Erzeuger:innen. Vielleicht gibt es die Marktschwärmer bei Euch in der Stadt, wenn der nächste Hofladen oder Markt weit weg ist. Das ist nicht nur zu Coronazeiten sinnvoll, sondern auch mit Blick auf Klimawandel und sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse wie etwa in Spanien oder Italien, wo ein Großteil unserer Supermarktgemüse herkommen. Nebenbei schmeckt es meist auch besser, weil die Wege von der Ernte bis zum Teller kürzer sind.

Falafel in der Heimbürokantine von Wibke Ladwig

Das Rezept

Würzige Falafel

Gericht: Grundrezept, Hauptgericht
Land & Region: Ägypten, Israel, Jordanien, Orient, Palästina
Keyword: Bohnen, Falafel
Portionen: 4 Portionen
Autor: Ghillie Basan

Zutaten

  • 350 g getrocknete Saubohnen 24 Std. in ausreichend Wasser eingeweicht
  • 4 Knoblauchzehen geschält und zerdrückt
  • 1–2 TL Salz
  • 2 TL Kreuzkümmelpulver
  • 2 TL Korianderpulver
  • 1 TL Chilipulver oder Cayennepfeffer
  • 1 TL Backpulver
  • 1 Bund Petersilie glattblättrig, fein gehackt (etwas zum Garnieren beiseitelegen)
  • 1 Bund Koriander fein gehackt (etwas zum Garnieren beiseitelegen)
  • 4 Lauchzwiebeln geputzt und fein gehackt
  • Sonnenblumenöl zum Frittieren

Beilage

  • Zitronenviertel

Anleitungen

  • Saubohnen in ein Sieb abgießen, die Häutchen abziehen und die Bohnen gut abtropfen lassen. In einer Küchenmaschine zu einer glatten Paste -pürieren (dies kann recht lange dauern). Knoblauch, Salz, Kreuzkümmel, Koriander, Chili t Backpulver hinzufügen und untermixen. Einen Großteil von Petersilie und Koriander dazugeben und mit den Lauchzwiebeln kurz untermischen. Die Masse ein bis zwei Stunden ziehen lassen, damit sich die Aromen entfalten können. 
  • Aus der Mischung kleine feste Bällchen formen und auf einen Teller legen. In einer hohen Schmorpfanne oder in einem Wok ausreichend Öl zum Frittieren erhitzen. Bällchen darin portionsweise goldbraun frittieren, mithilfe eines Schaumlöffels herausheben auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
  • Falafel in eine Servierschale füllen, mit den restlichen Kräutern bestreuen und Zitronenviertel oder oben erwähnte Beilagen dazu reichen. 

Notizen

Dazu passt der würzige Bulgursalat von Wibke: Bulgur nach Packunsangabe kochen, mit frischen Tomaten, Petersilie, Gurke und z.B. Minze vermischen und nach Lust und Laune orientalisch angehaucht würzen. Wer Lust hat, kann auch noch Granatapfelkerne oder Nüsse hinzufügen.

Lucia BornhofenDer Buchtipp

Den passenden Buchtipp steuert dieses Mal Lucia Bornhofen aus Gernsheim von der gleichnamigen, engagierten Buchhandlung bei, die nicht nur viele interessante Veranstaltungen macht (derzeit leider deutlich eingeschränkt), sondern ihren Kunden wirklich jeden Wunsch erfüllt – bis zum antiquarischen Buch!

Da fällt mir sofort ein ganz fantastisches Buch ein, das in den 1920er Jahren entstanden ist, aber im Gegensatz zur Literatur dieser Zeit völlig auf den sonst üblichen Kolonialblick verzichtet. Ein Erfahrungsbericht, der sich wie ein Abenteuerroman liest, geschrieben von einem großen Namen: John Dos Passos, der den Menschen dieser Region völlig vorurteilsfrei begegnet. „Orient-Express“, erschienen bei dtv, ist noch immer lesenswert und eines von Dos Passos eher unbekannten Büchern!

Weitere persönliche Buchtipps gibt es u.a. hier: http://www.buchhandlung-bornhofen.de/lieblinge-des-monats.html

Orient-Express
von John dos Passos, übersetzt aus dem Englischen vonMatthias Fienbork
216 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-423-14485-8, 9,90 Euro

 

 

 

 

Jule in Action auf den BuchwochenJule ist Autorin dieses Artikels, sie ist Co-Verlegerin im Hädecke Verlag.

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