#genusstrotztkrise, Autoren, Rezept der Woche
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Sophia Schillik :: Journalistin, Kochbuchautorin und Fotografin :: Frühlingsfrittata

Minimalismus-Frittata Sophia Schillik

Es gibt so Bücher, die hätte man selbst gerne gemacht. Die „Minimalismusküche“ von Autorin, Fotografin und Food-Allroundtalent Sophia Schillik gehört definitiv dazu. Sie beantwortet uns heute, wie sie mit der, insbesondere für Solounternehmer, schwierigen Situation derzeit umgeht. Und hat für #genusstrotztkrise ein tolles Frühlingsrezept parat.

Das Interview

Stellst Du Dich kurz vor? Sophia, 37, Journalistin (studiert), Rezeptautorin und Foodfotografin (beides learning by doing), Weinliebhaberin, Deutsche auf dem Pass, Italienerin im Herzen, in München geboren, aber eigentlich überall zuhause wo mich das Leben gerade hin verschlägt. Nach Stationen in Leipzig, Florenz, Hamburg, München again und Göttingen bin ich vor fünf Jahren in Köln gelandet und auch wenn es mich eigentlich schon wieder in den Fingern juckt (Barcelona oder Berlin wären meine favorisierten nächsten Wohnorte), bin ich der Domstadt immer noch treu.

In welchem Bereich arbeitest Du? Ich mache das, was man heute gerne mit dem Begriff „Content Creation“ zusammen fasst. Also Text (journalistische oder PR-Texte) und Bild aka Fotografie und gern auch beides in Kombination – plus Foodstyling, Requisite und natürlich das Kochen der Gerichte selbst. Das klingt viel, ist auch viel, aber es macht auch Spaß, dieses alles-aus-einer-Hand. Darüber hinaus bin ich auch eine leidenschaftliche Netzwerkerin, bringe gerne Leute zusammen, plane, organisiere und berate – bin also auch gerne Teamworker. Die Vielseitigkeit meines Arbeits„alltags“ ist das, was die Selbstständigkeit für mich so aufregend macht.

Wie bist Du aktuell von der „Corona-Krise“ betroffen? Ich stand eigentlich gerade in den Startlöchern für eine Vielzahl spannender neuer Projekte, auf die ich ziemlich lange hingearbeitet habe. Von diesen Projekten ist nur ein winziger Bruchteil übrig geblieben, auf unbestimmt verschoben – das ist natürlich wahnsinnig schade, gerade weil ja auch viel Herzblut mit dran hängt. Und mal ganz abgesehen von meinen eigenen existenziellen Sorgen ist es auch nicht leicht mitanzusehen, wie Kunden, Freunde und Bekannte aus der Wein- und Gastro-Szene gerade struggeln. Gleichzeitig birgt diese Zwangspause auch Chancen. Krisen pushen Kreativität! Das sieht man gerade allerorten. Nach dem ersten Schock und einigen schlaflosen Nächten schaffe ich es mehr und mehr, diese Zeit auch für mich nutzen. Ich stehe viel in der Küche, experimentiere, tüftle an neuen Rezepte – das ist nicht nur eine gute (Finger-)Übung, sondern bringt mich auch mental ins Gleichgewicht.

Welche Auswirkungen wird das vermutlich haben? Schwer zu sagen. Vielleicht mache ich in einem Jahr ja etwas ganz anderes. Oder zumindest: In Teilzeit. Die Zukunft ist ja gerade für viele von uns sehr ungewiss und so auch für mich. Wann geht es weiter? Wie geht es weiter? Und vor allem: Mit wem? Was hilft, ist der gesellschaftliche Zusammenhalt. Und: Nie war es so salonfähig, sein Lebensmodell komplett auf den Kopf zu stellen. Ich hoffe insgeheim, dass sich unsere Gesellschaft und unsere Denkweisen durch diese Krise nachhaltig verändern. Wir hatten in Deutschland ja leider nie eine Kultur des „Scheiterns“ – das könnte sich gerade drehen. Scheitern kann man ja auch immer als Chance, als Schritt hin zu einem besseren Morgen, einem Neubeginn sehen.

Welche Ideen hast Du, um diese Zeit trotzdem so gut wie es geht zu überbrücken? Ach, das passiert von ganz alleine, dafür brauche ich keine großen Ideen. Langeweile ist für mich ein Fremdwort, ich kann mich tagelang mit mir alleine beschäftigen, tüftle, räume, lese, sortiere, entrümple, reflektiere, spreche mit Freunden, schreibe Konzepte, kaue auf Zukunftsmusik herum.
Für solche Dinge hat man im Alltag ja selten Raum und Muse, da läuft das Leben immer auf der Fast-Forward-Taste. Jetzt halt mal halbe Geschwindigkeit. Für unsere gehetzten Seelen ist das, wenn wir ganz ehrlich sind, auch mal eine kleine Wohltat. Aber es gibt auch reichlich To-Dos auf der Agenda. Als Selbstständiger hat man ja immer einen dicken Arbeitsstapeln, der nicht mit unmittelbarem Geldverdienen verknüpft sind. Und dann ist da noch dieses neue Buch, an dem ich gerade feile, da tut ein bisschen mehr Ruhe ebenfalls gut.

Autorin und Fotografin Sophia Schillik

Welche Wünsche hast Du an das Netzwerk draußen und gibt es vielleicht schon besonders gute Ideen, denen Du im Netz begegnet bist? Ich glaube, was wir alle gerade gut gebrauchen können, ist Verständnis für die Situation des jeweils anderen, mentale Unterstützung und kleine Gesten. Das kann ein Spaziergang (mit Abstand natürlich), ein Ohr zum Zuhören, eine Postkarte, ein Blumengruß oder einfach nur eine nette Nachricht, ein „Ich-denke-an-dich“ sein. Mir gefällt das Konzept der neuen Nähe und Nachbarschaftshilfe. Auf www.helpto.de zum Beispiel kann man sich registrieren und informieren, wie man lokale Händler unterstützt, wo man Blut spenden kann oder wer vielleicht Hilfe bei Einkäufen benötigt. Via Brieffreundschaften (über www.stiftundpapier.org) kann man einen Beitrag gegen die soziale Vereinsamung vieler Alleinlebender leisten. Und was viele Gastronomen durch die Aktion Kochen für Helden gerade leisten, ist einfach unglaublich. Das kann man mit Spenden (www.kochen-fuer-helden.de) supporten. Die wohltätige Aktion versorgt die Helden des gerade sehr turbulenten Alltags – Ärzt*innen, Pfleger*innen, Apotheker*innen, Supermarkt-Mitarbeiter*innen u.v.m. – mit frisch gekochten Mahlzeiten.

Wie kann man Dich (und Dein Unternehmen) jetzt aktuell am besten unterstützen? Neue Aufträge im Bereich Text, Rezeptentwicklung und Fotografie sind natürlich immer willkommen. Und ansonsten: Gerne mein Buch bestellen und auch gerne direkt über mich [Anmerk. von Jule: Und da verlinken wir selbstverständlich sehr gerne drauf, denn bestimmt signiert Sophia die bei ihr bestellten Bücher außerdem, also direkt eine Mail schicken über ihre Seite, der Link ist hier hinterlegt].

Was isst Du am liebsten in solchen Zeiten? Ich esse generell, aber jetzt noch mehr also sonst viel Grün, viel Gemüse, viel Frisches, das ich, wann immer es geht, auf dem Wochen- und Biomarkt kaufe. Gutes Essen wärmt die Seele. Das Frühjahr hat so viel zu bieten, da kann man sich wunderbar austoben. Eat every day as if it were your last!

Und welches Rezept würdest Du denen empfehlen, die dieses Interview gerade gelesen haben? Eine Frühlingsfrittata (siehe unten).

Das Rezept

Frühlings-Frittata

Zubereitungszeit40 Min.
Gericht: Brunch, Hauptgericht
Land & Region: Deutschland, Italien
Keyword: Eierspeise, Frittata, Spargel
Portionen: 4 Personen
Autor: Sophia Schillik

Equipment

  • ofenfeste Pfanne

Zutaten

  • 2 Schalotten
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 200 g grüner Spargel ersatzweise wilder grüner Spargel
  • 100 g Zuckerschoten
  • 8 Eier Größe M
  • 150 ml Milch
  • Meersalz
  • schwarzer Pfeffer frisch gemahlen
  • 50 g Parmesan
  • 1 EL Butter
  • 30 g Speckwürfel nach Belieben
  • 100 g TK-Erbsen
  • 2 EL Zitronensaft
  • 1 EL Olivenöl extra vergine

Anleitungen

  • Den Backofen auf 180 °C vorheizen. Die Schalotten schälen und in Ringe schneiden. Frühlingszwiebeln putzen und waschen, das Grün entfernen und den weißen Teil klein schneiden.
  • Den Spargel waschen, holzige Enden abschneiden. Spargelstangen mit einem Gemüsehobel oder einem Sparschäler längs in dünne Streifen schneiden, dabei die Köpfe ganz belassen. Die Zuckerschoten waschen und längs in Streifen schneiden.
  • Eier und Milch verquirlen, salzen und pfeffern. Parmesan grob reiben, zwei Drittel davon unter die Eiermischung heben.
  • Die Butter in einer ofenfesten Pfanne schmelzen. Speck und Schalotten darin bei mittlerer Hitze 3–4 Min. braten. Herausnehmen und beiseite stellen. Die Eiermischung in die Pfanne gießen und ca. 3 Min. stocken lassen. Speck und Schalotten darauf verteilen und alles im heißen Ofen auf mittlerer Schiene in 4–5 Min. fertig backen, bis sich an der Unterseite eine goldbraune Kruste gebildet hat, die Mitte aber noch weich ist.
  • Inzwischen Salzwasser in einem Topf zum Kochen bringen. Die Frühlingszwiebeln, den Spargel, die Erbsen und die Zuckerschoten ca. 2 Min. darin blanchieren, dann abgießen und mit eiskaltem Wasser abschrecken. Abtropfen lassen und in einer Schüssel mit Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer vermengen.
  • Die Frittata aus dem Ofen nehmen und und das Frühlingsgemüse darauf verteilen. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit dem restlichen Parmesan bestreuen.

Der Buchtipp

Welches Buch ich gerne bei uns im Programm gehabt hätte, wisst ihr ja jetzt. Und in welcher Buchhandlung ich mal gerne arbeiten würde, erfahrt ihr auch heute, und es liegt nicht nur am grandiosen Foto des Buchhändlers, denn die Buchhandlung der Tauben in Marbach oder Waiblingen muss man einfach lieben (also, lieber Markus Schneider, wenn ihr beim #indiebookday mal Unterstützung von der Co-Verlegerin an der Kasse wollt, ich wär dabei ;) ).

Vergangenes Jahr hatten wir in diesen beiden Buchhandlungen zwei großartige Veranstaltungen, eine davon auch mit Unterstützung unseres Foodfotografen Walter Pfisterer. Das Team und das Ambiente sind einfach zauberhaft, anders kann man es gar nicht formulieren. Und Markus Schneider hat für die Frühlingsfrittata einen ebensolch zauberhaften und frühlingsverliebten Titel herausgesucht, für die passenden Schmetterlingsgefühle zwischen zwei Buchdeckeln:

Täuberich und die Tauben haben sich wieder schockverliebt… in ein wundervoll illustriertes, herzwarmes Buch über Freundschaft, Mut und die alles verbindende Kraft der Liebe. Klingt kitschig? Ist es nicht! Es ist aufrichtig und ehrlich. Sätze, die direkt ins Herz gehen und nachwirken. Zum Weiterschenken fast zu schade aber zum selber behalten zu wertvoll ;) Aufschlagen und auf jeder beliebigen Seite staunen und träumen, schmunzeln und Tränen trocknen… Vergleiche zum Kleinen Prinzen sind legitim und nicht unpassend. Was den Frühling reich macht…

Ihr könnt bei der Buchhandlung bereits wieder im Laden kaufen, Lieferservice und Bestellmöglichkeiten auf allen Kanälen werden aber weiterhin angeboten. Und schaut un-be-dingt auch bei Facebook und auf dem Instagramkanal vorbei. Dort erwarten euch viele kreative und unterhaltsame Beiträge!

Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd
von Charlie Mackesy
128 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-471-36021-7, 20,– Euro

 

 

 

 

Mit mehr Gefühl kann man ja kaum ins Wochenende starten. Genießt es und bleibt gesund!

Titelbild:
Sophia Schillik, Köln aus ihrem Buch „Minimalismusküche“.

Jule in Action auf den BuchwochenJule ist Autorin dieses Artikels, sie ist Co-Verlegerin im Hädecke Verlag.

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