Nachgekocht
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Nachgekocht: Waffeln

Das Jahr ist noch frisch, begann tiefgrau und trist, aber jetzt ist der eiskalte Berliner Winter zurückgekehrt. Die Sonne hat sich in der Hauptstadt dieses Jahr nur schlappe 6 Minuten blicken lassen, bis es dann vor kurzem puderzuckerweiß und frostig wurde.
Das nenne ich perfektes Waffelwetter und deswegen kamen abends ein paar Freunde vorbei, die mit mir zusammen mein neues Lebensjahr mit süßen und pikanten Waffeln zelebrierten.

Die Rezepte dafür lieferte das demnächst erscheinende Buch (s.u.) „Waffeln“ von Tara Duggan und die über 40 Rezepte samt der atmosphärischen Foodbilder von Erin Kunkel machten mir die Waffelwahl mal wieder nicht leicht. Weil die Waffeln auch als Abendessen gedacht waren, entschied ich mich nach langem Hin und Her für Spinat-Ricotta-Waffeln mit Pinienkernen, Mini-Waffeln mit Paprika-Aïoli und zum Dessert Orangen-Schmand-Waffeln und Waffeln mit salziger Karamellsauce.

Meist denkt man bei Waffeln an eine Süßspeise, an Kaffeekränzchen bei Oma oder Kindergeburtstage, doch sie schmecken süß und herzhaft auch zum Frühstück, Dessert, Snack oder als ganze Mahlzeit. In zahlreichen Waffelrezepten für Frühstück & Brunch, Lunch & Abendessen und Dessert sowie Variationen für Toppings, Garnituren, Belag oder Füllungen zeigt die Autorin, wie vielseitig der Waffelgenuss sein kann.

Im ersten Kapitel wird alles über Waffeln verraten: Nach der Lektüre der wichtigsten Zutaten, der kleinen Waffelkunde über Küchenutensilien bis Hin zu Tricks und Tipps und Waffelvariationen stand dem Waffelglück nichts mehr im Wege. Und wer jetzt denkt, er bräuchte ein hochmodernes Hightech-Waffeleisen, der irrt: Ich habe meine Waffeln in einem ollen, dunkelorangenen Vintage-Waffeleisen gebacken und war absolut zufrieden mit den Ergebnissen. Klar, die belgischen Waffeleisen machen besonders schöne eckige Waffeln, einige Eisen schaffen gleich vier Waffeln auf einmal, es gibt sie mit Wendemechanismus und in runden Wabenmustern, aber wer nicht so gut ausgestattet ist, kann auch auf das gute alte Standart-Waffeleisen zurückgreifen.

Der Waffelteig kann prima vorbereitet werden, sodass man als Gastgeber eigentlich nicht mehr viel zu tun hat. Eigentlich, denn die Gäste kamen mit Kind und Kegel früher als gedacht, ich  stand noch in der Jogginghose in der Küche und geriet leicht unter Zeitruck, denn multitaskingfähing bin ich so gar nicht. Neben der Waffelteigzubereitung musste ich mich noch schnell für die Gäste hübsch machen, der Kinderbesuch wollte mitrühren und -backen und stand mir zum Glück auch beim Fotografieren als kleiner Assistent zur Seite – sonst wären die Gäste wohl nicht mehr satt geworden.

Den Anfang machten die Mini-Waffeln mit Paprika-Aïoli. Wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann, war das Paprika-Aïoli besonders bei den kleinen Gästen beliebt. Naschen war für meinen kleinen Assistenten nicht nur erlaubt, sondern auch Pflicht, schließlich mussten die Waffeln noch getestet werden, bevor sie den großen Gästen serviert werden durften.

Original-Rezept Mini-Waffeln mit Paprika-Aïoli

für 6–8 Portionen

Zutaten Paprika­-Aïoli

2 rote Gemüsepaprika/Peperoni, geputzt, geröstet, gehäutet (fertige aus dem Glas gut abtropfen lassen)
1 Knoblauchzehe, geschält
1 Ei (Größe L), getrennt
2 TL Zitronensaft
1⁄2 TL Salz
1⁄4 l gutes Olivenöl oder 1⁄8 l Rapsöl und 1⁄8 l Olivenöl

Zutaten Buttermilch-Waffel-Teig

2 Eier (Größe L)
3⁄8 l Buttermilch
125 g Butter, zerlassen, oder 1⁄4 l Rapsöl
235 g Mehl, 2 EL Zucker
2 TL Backpulver
1 TL Natron, 1⁄4 TL Salz

Zubereitung Waffelteig

  1. In einer mittleren Schüssel Eier, Buttermilch und Butter verquirlen.
  2. In einer großen Schüssel Mehl, Zucker, Backpulver, Natron und Salz mischen. In die Mitte der trocke­nen Zutaten eine Vertiefung drücken, Eiermischung hineingießen und zu einem glatten Teig verrühren. Sollte der Teig noch zu fest sein, weitere 1–2 Esslöf­fel Buttermilch unterrühren.

Zubereitung Paprika­-Aïoli

  1. Für die Aïoli Paprikaschoten im Standmixer oder in der Küchenmaschi­ne fein zerkleinern. In eine kleine Schüssel füllen und beiseitestellen. Knoblauch in den Standmixer geben, ebenfalls fein zerkleinern. Eigelb, Zitronensaft und Salz hinzufügen und zwei Minuten schaumig aufmi­xen. Eiweiß anderweitig verwenden.
  2. Bei laufendem Standmixer Olivenöl zunächst tropfenweise hinzu­geben. Wenn sich eine cremige Emulsion bildet, das restliche Öl im feinen Strahl zugießen (bereits nach der Hälfte des Öls sollte die Sauce sämig werden).
  3. Anschließend Paprikapüree unterrühren, nach Gusto mit weiterem Salz oder Zitronensaft abschmecken. Mindestens eine Stunde, besser über Nacht, zugedeckt kalt stellen.

weitere Zubereitung

  1. Waffeleisen aufheizen. Für jede Waffel mithilfe einer Kelle ca. 125–180 ml Teig ins Waffel­eisen füllen. Den Teig gleichmäßig bis zum Rand des Eisens verteilen. Waffeln jeweils drei bis vier Minuten knusprig braun backen.
  2. Mit einem Pfannenheber die Waffeln aus dem Waffeleisen nehmen und in mundgerechte Streifen oder kleine Quadrate schneiden. Direkt servieren oder nebeneinander auf ein Backblech legen und zum Warm­halten 20 Minuten bei 95 °C im Backofen belassen.
  3. Waffeln mit einem Klacks Paprika­-Aïoli darauf servieren.

Nach diesem kleinen Einstiegserfolg kamen Spinat-Ricotta-Waffeln mit Pinienkernen an die Reihe und die waren so gut, dass ich nur einen Schnappschuss davon machen konnte, bevor sie verputzt waren. Der Liebste, der an diesem Abend etwas zu spät nach Hause kam, machte beim Anblick des Fotos ein langes Gesicht und hätte alles um einen Bissen dieser knusprig-saftigen Waffeln gegeben.

Original-Rezept Spinat-Ricotta-Waffeln mit Pinienkernen

für 4–8 Waffeln

Zutaten

2 Eier (Größe L)
1⁄4 l Milch
125 g Butter, zerlassen, oder 1⁄8 l Rapsöl
250 g Ricotta
200 g Weizenmehl
45 g Maismehl
1 EL Backpulver
3⁄4 TL Salz
125 g TK­-Spinat, aufgetaut, gründlich ausgedrückt (siehe Tipp) und in Streifen geschnitten
30 g Parmesan, gerieben
75 g Pinienkerne

Zubereitung

  1. Waffeleisen auf geringe bis mittlere Temperatur aufheizen.
  2. In einer mittleren Schüssel Eier, Milch und Butter verrühren. Ricotta dazugeben und die Mischung cremig rühren.
  3. In einer großen Schüssel Mehl, Maismehl, Zucker, Backpulver und Salz mischen. In die Mitte der trockenen Zutaten eine Vertiefung drücken, Eiermischung hineingießen und alles zu einem glatten Teig verrühren. Spinat und Parmesan vorsichtig untermischen.
  4. Auf die Backfläche des Waffeleisens 1–2 EL Pinienkerne streuen (bei einem belgischen Waffeleisen 2 EL). Nun für jede Waffel mithilfe einer Kelle ca. 125–180 ml Teig ins Waffeleisen füllen. Teig gleichmäßig bis zum Rand des Eisens verteilen. Waffeln jeweils vier bis sechs Minuten knusprig braun backen. Da dieser Waffelteig relativ feucht ist, können sie etwas länger gebacken werden.
  5. Mit einem Pfannenheber die Waffeln aus dem Waffeleisen nehmen und direkt servieren oder nebeneinander auf ein Backblech legen und zum Warmhalten 20 Minuten bei 95 °C im Backofen belassen.

Tipp
Um die Feuchtigkeit aus dem Spinat zu drücken, den auf­getauten Spinat in ein Sieb geben und mehrmals drücken, bis alle Flüssigkeit abgetropft ist.

Nach all den herzhaften Waffeln war fast kein Platz mehr für Süßes. Auf uns warteten aber noch die herrlich duftenden Orangen-Schmand-Waffeln, da lässt man auch gerne die guten Vorsätze fürs neue Jahr links liegen. Nix da mit „auf die Linie“ achten, hier ist nur Platz für Genussmenschen …

Original-Rezept Orangen-Schmand-Waffeln

für 4–8 Waffeln

Zutaten Orangen-Schmand-Sauce

75 g Schmand/Sauerrahm oder Sour Cream
1⁄2 TL unbehandelte Bio-­Orangen­schale, fein abgerieben
2 EL Orangensaft, frisch gepresst
1 1⁄2 EL Orangenblüten­ oder anderer Wildblütenhonig

Zutaten Teig

2 Eier (Größe L)
1⁄4 l Milch
125 g Schmand/Sauerrahm oder Sour Cream
125 g Butter, zerlassen, oder 1⁄8 l Rapsöl
2 EL unbehandelte Bio­-Orangen­schale, fein abgerieben
2 EL Orangensaft, frisch gepresst
1⁄2 TL Vanilleextrakt
235 g Mehl
2 EL brauner Zucker
2 TL Backpulver
1 TL Natron
1⁄2 TL Salz
warmer Honig zum Servieren

Zubereitung

  1. Für die Sauce Schmand mit Orangenschale und ­saft sowie Honig zu einer dünnen Sauce verrühren. Waffeleisen aufheizen.
  2. Für den Teig in einer mittleren Schüssel Eier, Milch, Schmand, Butter, Orangenschale, Orangensaft und Vanilleextrakt verquirlen.
  3. In einer großen Schüssel Mehl, braunen Zucker, Backpulver, Natron und Salz mischen. In die Mitte der trockenen Zutaten eine Vertiefung drücken und die Eiermischung hineingießen. Alles zu einem glatten Teil verrühren.
  4. Für jede Waffel mithilfe einer Kelle ca. 125–180 ml Teig ins Waffel­eisen füllen. Den Teig gleichmäßig bis zum Rand des Eisens verteilen. Waffeln jeweils in drei bis vier Minuten knusprig braun backen.
  5. Mit einem Pfannenheber die Waffeln aus dem Waffeleisen nehmen und direkt servieren oder nebeneinander auf ein Backblech legen und zum Warmhalten 20 Minuten bei 95 °C im Backofen belassen.
  6. Je einen Löffel Sauce auf jede Waffel geben und mit Honig beträufeln.

… und obwohl wirklich fast kein Platz mehr in unseren Bäuchen war, wurden sogar noch die Waffeln mit salziger Karamellsauce probiert. Die zusätzliche Schlagsahne haben wir dann aber doch weggelassen. Wir wollten’s nicht übertreiben, denn die Sahne-Karamellsauce mit Fleur des Sel machte uns schon pur süchtig.

Mein Waffelhunger ist aber längst nicht gestillt, es warten noch Eierwaffeln nach Hong-Kong Art, Gewürzwaffeln mit Ahornsirup-Butter, Kürbis-Waffeln mit Zimt-Muskat-Sahne, Mais-Ziegenkäse-Paprika-Waffel, Mehrkornwaffeln mit Avocado und Tomaten-Mandel-Pesto, Kokos-Reis-Waffeln mit Mango und Limettencreme und Bananensplit-Waffeln auf mich. Ab dem 25. Januar könnt ihr euren Hunger auch danach stillen, denn dann ist das Waffelbuch lieferbar und im Handel erhältlich.

Ariane

Ariane ist Autorin dieses Artikels, sie kocht und fotografiert in freier Mitarbeit für Mizzis Küchenblock neue Rezepte nach ihrer Wahl aus dem Hädecke-Programm.

 

 

WaffelnRezepte entnommen aus
Tara Duggan, Erin Kunkel
Waffeln

Süße und pikante Rezepte für jede Gelegenheit
ISBN 978-3-7750-0639-2
1. Auflage, Gebunden, 96 Seiten, 49 Farbfotos
16,00 € (D), 16,40 € (A)

 

 

4 Kommentare

  1. Kurz nach Weihnachten habe ich mich auch direkt an ein Waffelrezept gewagt – mit frisch erworbenem Hightech-Waffeleisen für den Verlag, bei dem man auch die „Förmchen“ austauschen kann, um z.B. Sandwiches zu machen oder die Grillfunktion zu nutzen. Was ich dabei total angenehm finde, ist die Tatsache, dass man eigentlich kein Fett braucht, die Waffeln nicht auch nur ein klein wenig angebrannt sind und dieses Hightech-Keramik-Material ohne die üblichen Antihaftbeschichtungen auskommt ;)

  2. Seit vergangenem Jahr sind wir stolze Besitzer eines Doppelwaffeleisens, das ist vor allem praktisch, wenn man die Waffel wirklich frisch am Tisch macht und gleich mehrere Gäste verköstigen möchte. Die genannten Rezepte, werden hoffentlich am Wochenende auch mal ausprobiert.

    @Jule Was für ein Wunderwerkzeug hast du denn da in Benutzung? Von der keramischen Beschichtung habe ich im Kontext von Pfannen und Woks bereits gelesen, bei Waffeleisen hingegen noch nicht, daher die Neugier :)

    • Wir sind ja unter uns, da kann ich ja Werbung machen: Wir haben die Waffeleisen bei Waschbär bezogen, hier ist der Link http://bit.ly/X8t3fz – dort gibt es auch noch ein klassisches Herzeisen, ebenfalls aus Keramik ist aber etwas teurer.

    • Ariane sagt

      Ihr seid alle so gut ausgestattet, ich bin ganz neidisch! Mein uralt Waffeleisen muss auch nicht eingefettet werden, das ergäbe sogar eine riesen Sauerei, weil dann alles herausfließen würde …

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