Nachgekocht: VegItalia

Hab ich schon erwähnt, dass der Liebste ein Fleischjunkie ist? Essen ohne Fleisch ist für ihn keine vollwertige Mahlzeit, die köstlichsten Gemüsesorten wie Paprika, Aubergine, Brokkoli oder Tomaten verschmäht er – es sei denn ich schneide sie so klein, dass sie für ihn unsichtbar sind, oder so groß, dass er sie sich aus seinem Essen herausfischen kann. Nun gut, ich will nicht so streng mit ihm sein: In Indien hat er es immerhin geschafft ganze fünf Wochen kein Fleisch anzurühren, aus Angst sich den Magen zu verstimmen. Zurück in Berlin war dann aber wieder alles beim Alten, die guten Vorsätze den Fleischkonsum zu verringern, waren schnell vergessen.

Für mich ist das nicht immer einfach, ich esse gerne vegetarisch – Fleisch würde mir auch einmal in der Woche ausreichen. Umso schöner ist es, dass ich dank diesem Blog in der letzten Zeit immer öfter in den Genuss vegetarischer Gerichte komme. Nach Tomatenrot und Drachengrün, das in der Hauptsache vegetarische Rezepte enthält, ist dies das zweite Kochbuch und wenn es nach mir gehen würde, könnten da noch viele weitere hinterherkommen.

Weil alleine essen aber keinen Spaß macht und der Liebste bei der Hälfte der vegetarischen Rezepte eine großen Bogen um die Küche macht, nutzte ich die Gelegenheit um meine Freundin Luisa, die auch unter der Fleischeslust des Mannes leidet, als Testesserin einzuladen. Gemeinsam haben wir uns einen schönen Abend gemacht und die vegetarisch italienischen Rezepte von Ursula Ferrigno genossen.

Die englisch-italienische Kochbuchautorin zeigt mit rund 125 Familienrezepten, wie abwechslungsreich und bunt die italienische Gemüseküche ist. Ihre Rezepte sind saisonal, „natürliche Einfachheit“ und „gesunde Bekömmlichkeit“ ziehen sich wie ein roter Faden als Grundgedanke durch die Kapitel Pasta, Risotto, Bohnen & Co, Gemüse, Salate, Brot und Obst und Nüsse.

Dank ihrer italienischen Großmutter, die sie schon als Kind mit der süditalienischen Küche in Berührung brachte, wurde Ursula Ferrigno eine leidenschaftliche Verfechterin der traditionellen italienischen Küche und gleichzeitig überzeugte Vegetarierin – das merkt man ihren Rezepten sofort an. Jedes der sieben Kapitel beginnt mit einer ausführlichen Einleitung in die jeweiligen Nahrungsmittel und deren Zusammenhang mit der italienischen Esskultur. Daneben finden sich zu den Rezepten kurze Zubereitungstipps oder Kommentare der Autorin, das verleiht dem Buch eine ganz eigene, persönliche Note.

Das erste zum Nachkochen auserkorene Rezept war schnell klar. Mit dem Herbst kommt die Kürbiszeit – Kürbis süß-sauer bzw. Zucca all’agrodolce di Palermo kam mir also gerade gelegen.
Das typisch sizilianische Gericht ist wie versprochen im Handumdrehen zubereitet, trifft aber nicht ganz meinen Nerv. Das ist allerdings reine Geschmackssache, mit süß-pikanten Gerichten tue ich mich oft schwer, ich mag sie nur in kleinen Portionen als Beilage.

Zucca all’agrodolce di Palermo – Kürbis süß-sauer

Für 4 Portionen

Zutaten

1 kg Kürbis, geschält und entkernt
5 EL Olivenöl
1 ganze geschälte Knoblauchzehe
1 EL Kristallzucker
1 Bund frische, gehackte Minze
1 Msp. Zimt
8 EL Weißweinessig
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Kürbisfleisch in etwa 1 cm große Würfel schneiden. Zusammen mit der Knoblauchzehe in heißem Öl etwa 3 Minuten lang anbraten. Den Knoblauch aus der Pfanne nehmen, sobald er sich zu verfärben beginnt.
  2. Alle Kürbisstücke auf Küchenkrepp oder ein Geschirrtuch legen und das Fett abtropfen lassen, anschließend erneut in die Pfanne geben. Hitzezufuhr zurücknehmen.
  3. Mit Zucker, gehackter Minze und Zimt bestreuen. Gut verrühren, dann den Weißweinessig darüber gießen und mit Pfeffer würzen. Die Pfanne zudecken und die Flüssigkeit verdampfen lassen. Kalt oder warm servieren.

Ganz im Gegensatz zur Lasagne di radicchio alla Trevigiana oder auch Radicchio-Lasagne. Bravo, das war so lecker! Für Luisa und mich gab es zwei Mal Nachschlag und sogar Herr Fleisch ist mein Gemüse wollte davon kosten, nachdem ein herrlicher Geruch durch die Wohnung zog. Das intensive und immer etwas bittere Aroma der zarten Treviso-Radicchio-Blätter zusammen mit dem Dolcelatte war absolut lecker – sehr empfehlenswert!

Rezept Lasagne di radicchio alla Trevigiana – Radicchio-Lasgane

Für 4 Portionen

Zutaten

3 Treviso-Radicchioköpfe
3 EL Olivenöl
1 geputzte und geviertelte Fenchelknolle mittlerer Größe
300 g grüne Lasagneblätter
1 geschälte, fein gehackte Zwiebel
85 g Butter
55 g Weizenmehl
1 geschälte, gepresste Knoblauchzehe
500ml Milch
Meersalz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
150 g gewürfelter Dolcelatte-Käse (ein besonders milder Gorgonzola-Typ)

Zubereitung

  1. Den Backofen auf 200°C vorheizen. Gasherd Stufe 2–3.
  2. Radicchio klein hacken, gut waschen und trocken tupfen. Auf ein Backblech legen und mit Olivenöl beträufeln. 10 Minuten im vorgeheizten Ofen backen, bis sich der Radicchio verfärbt und leicht angebräunt aussieht. Sein Aroma kommt dann am besten zur Geltung. Zur Seite stellen.
  3. In der Zwischenzeit die Fenchelviertel über kochendem Wasser 12 Minuten dämpfen (sie sollten etwa al dente sein). Herausnehmen und fein hacken.
  4. Die Lasagneplatten in reichlich Salzwasser al dente kochen. Wasser abgießen, zur Seite stellen.
  5. Für die Sauce die Butter in einem Topf zerlassen und die Zwiebel goldbraun-glasig andünsten. Mehl, Knoblauch und Fenchel zugeben und einige Minuten einkochen lassen, damit der Mehlgeschmack verschwindet. Anschließend Milch und etwas Salz und Pfeffer hinzufügen, von der Kochstelle nehmen und mit einem Holzlöffel kräftig umrühren.
  6. Erneut auf die Kochstelle geben und unter ständigem Rühren aufkochen lassen, bis die Sauce eindickt. Die Dolcelatte-Würfel zugeben und gut einrühren. Mit Gewürzen abschmecken.
  7. Eine ofenfeste Auflaufform abwechselnd mit einer Lage Sauce, Radicchio und Pasta belegen. Die Sauce sollte den Abschluss bilden.
  8. In den vorgeheizten Backofen stellen (bei gleicher Temperatur wie oben) und etwa 20 Minuten goldbraun backen.

Zum krönenden Abschluss sollte es noch eines der zahlreichen Brote geben, denn Zorra hat mich und viele andere Blogger zum 7. World Bread Day eingeladen. Seit 2006 backen an diesem Tag weltweit zahlreiche Blogger Brot und auch diesmal wollte ich dabei sein. Gesagt getan, hier kommt mein Beitrag zum Brottag: Panne di spinaci della nonna (Großmutters Spinatbrot) vereint die Liebe der Italiener zu Gemüse und Brot in einem Rezept. Das passt doch wie die Faust aufs Auge!

Pane di spinaci della nonna – Großmutters Spinatbrot

Für 1 Laib

Zutaten

15 g frische Hefe
500 ml Wasser, handwarm
350 g Weizenmehl (Type 405 oder 550)
200 g Hartweizengrieß
2 TL Meersalz
450g frischer Spinat
2 EL natives Olivenöl extra
1 geschälte, fein gehackte Knoblauchzehe
2 EL schwarze Oliven, entsteint und fein gehackt
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 großes Bio-Ei, mit 2 TL Wasser verquirlt
eine Handvoll Sesamsamen

Zubereitung

  1. Hefe in einer großen Schüssel in einem Viertel des Wassers auflösen. Abgedeckt 10 Minuten stehen lassen, bis sie breiig wird.
  2. Restliches Wasser zugeben und gut verrühren. Mit dem Salz löffelweise das Mehl und den Grieß zugeben, vermischen und alles mit den Händen zu einer Teigkugel kneten.
  3. 10 Minuten kräftig walken, anschließend in eine leicht eingeölte Schüssel legen, abdecken und 1 1/2 Stunden gehen lassen, bis sich das Volumen des Teigs verdoppelt hat.
  4. In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten. Den Spinat gründlich waschen und abgießen, dabei die harten Stängel entfernen. Die Blätter ohne zusätzliches Wasser in einen Topf geben, zudecken und bei mittlerer Hitze dünsten, bis die Blätter zusammenfallen. Abgießen und abkühlen lassen, daraufhin das restliche Wasser aus den Blättern pressen und diese fein hacken.
  5. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und den Knoblauch glasig andünsten. Den gehackten Spinat zugeben und 2 bis 3 Minuten dünsten, anschließend die Oliven und etwas Pfeffer hinzufügen. Von der Kochstelle nehmen und vollständig abkühlen lassen.
  6. Die Luftblasen aus dem aufgegangenen Teig herausschlagen und ihn dann auf der Arbeitsfläche zu einer runden Platte von 40 cm Durchmesser ausrollen. Auf ein eingefettetes Backblech legen und die Spinatfüllung darauf geben; einen etwa 2 1/2 cm breiten Rand frei lassen.
  7. Den Teig zusammenrollen und beide Enden gut verschließen. Auf der Oberseite mit einem Messer etwa 1 cm tief einschneiden. Mit dem verquirlten Ei bestreichen und den Sesam darüber streuen. Abdecken und 30 Minuten lang gehen lassen.
  8. Elektrobackofen auf 200°C vorheizen, Gasherd Stufe 2–3.
  9. Das Brot in ca. 35 Minuten goldbraun backen. Auf einem Rost abkühlen lassen. In diagonale Scheiben schneiden, damit die Füllung sichtbar wird.

Tipp:
Die Zutaten für die Füllung können beliebig verändert werden. Spinat findet sich traditionell in Neapel und seiner Umgebung, man kann aber auch Käse oder gekochtes Gemüse oder beides verwenden.

World Bread Day 2012 - 7th edition! Bake loaf of bread on October 16 and blog about it!

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher wenig Erfahrung mit Brotbacken gemacht habe. Das berühmte No Knead Bread war bisher einer meiner seltenen Brotbackversuche.
Das Ergebnis meines Brotes ist dann leider auch ganz anfängermäßig von Innen nicht ganz so schön geraten: Der Spinat hat es sich in der unteren Hälfte des Brots gemütlich gemacht, anstatt sich im ganzen Laib zu verteilen. Schämen soll er sich! Aber – und darauf kommt es ja auch an – geschmeckt hat’s trotzdem! Auch dem Liebsten, denn so ein feines Brot kann er ohne Fleisch ganz einfach pur genießen.

Wer jetzt noch nicht genug hat, dem kann ich Vegitalia wärmstens empfehlen: Tagliatelle mit Artischocken, Risotto mit Zucchini und Zucchiniblüten, Maronisuppe mit Kichererbsen, Artischockenherzen in Mandelsauce, Rocula-Feigen-Salat, Petersilien-Calzone oder Warmer Pflaumen-Haselnuss-Kuchen warten noch auf Euch!

ArianeAriane ist Autorin dieses Artikels, sie kocht und fotografiert in freier Mitarbeit für Mizzis Küchenblock neue Rezepte nach ihrer Wahl aus dem Hädecke-Programm.

 

 

VegItaliaRezept entnommen aus
Ursula Ferrigno, Jason Lowe
VegItalia
Vegetarisch & echt italienisch. Einfach – schnell – köstlich
ISBN 978-3-7750-0575-3
1. Neuauflage, Broschur, 224 Seiten, 130 Farbfotos
16,90 € (D), 25,90 Fr. (CH), 17,40 € (A)

 

 

1 Kommentare

  1. ralf 21. Oktober 2012 at 18:59 · Antworten

    tolle Bilder! Du wirst immer besser