Nachgekocht: Aus Deutschlands Küchen

Eigentlich ist alles ganz einfach. Nach dem Unentschieden der Amerikaner gegen Portugal reicht der deutschen Nationalelf beim heutigen letzten Vorrundenspiel ein Unentschieden zum Gruppensieg. Und danken dürfen wir dafür ausgerechnet Jürgen Klinsmann.

Unentschieden – wie langweilig wär’ das denn Bitte? Auf Nummer sicher spielen? Kein Risiko eingehen? Nein, das wollen wir nicht. Unentschieden war gestern.

Beziehungsweise vor zwei Wochen, als ich im letzten Blogpost über meine Verlängerung im Sonnenhaus erzählt habe. So schnell ist der Monat nun also wieder an mir vorbeigezogen. Diesmal ist die Entscheidung aber gefallen.

Nach der Verlängerung kommt das Elfmeterschießen. Und ja, ich muss sagen, es war bis zum Schluss genauso spannend. Die Sonnenhausmitbewohner waren zwar in der Mehrzahl und schossen überzeugende Argumente, doch noch ein paar Monate zu verlängern in Richtung Tor. Aber am Ende hatte ich den Torwart mit der besseren Technik.

Ich gehe also zurück nach Kreuzberg mit dem Wissen, dass dort nicht alles so leicht und unbeschwert sein wird, wie es im Sonnenhaus war und ist. Erinnerungen und die Vergangenheit warten dort auf mich hinter jeder Ecke. Ein Risiko? Vom Sonnenhaus ins Schattenhaus? Nein, ganz so Schwarzmalen will ich es nicht. Aber mir wird dort sehr viel fehlen. Gleichzeitig ist es eine neue Chance. Ein Neuanfang auf den ich mich sogar freue. Und wenn mich die Sonnenhausmitbewohner oft genug im Schattenhaus besuchen, wird auch dort bald die Sonne aufgehen.

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Zurück zum Fußball. Keiner will, dass die DFB-Mannschaft auf Unentschieden spielt. Aber die US-Amerikaner sind stark, ein Sturmlauf wäre zu riskant. Der gesunde Mittelweg ist also die Lösung des Dilemmas, denn die Schwächen des US-Teams liegen offensichtlich im Defensiv-Bereich. Ähm … ja … so habe ich es mir jedenfalls angelesen, denn eigentlich habe ich keinen blassen Schimmer davon. Ich wünsche mir einfach nur einen spannenden lauen Fußballsommerabend mit Bier und Bratwurst im Sonnenhausviertel. Und ich will das wir gewinnen! So einfach ist das.

Um unsere Mannschaft noch mal richtig anzufeuern, habe ich Aus Deutschlands Küchen gekocht. Die Jungs haben da unten in Brasilien bestimmt Heimweh nach guter deutscher Küche.

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Der dicke Wälzer und Kochbuchklassiker von Horst Scharfenberg, der Originalrezepte aus allen Regionen Deutschlands vorstellt, hat mich anfänglich allerdings etwas überfordert. Auf geschlagenen 775 Seiten befinden sich unzählige Rezepte. Das fängt bei Thüringer Klöße, sächsischem Blechkuchen, Nürnberger Rostbratwürsten, Obatzter, Braunbiersuppe, Schmorgurken und  Hoppel-Poppel an, geht über Schlesisches Himmelreich, Schmant mit Glumse, Gänseschwarzsauer, Matjesfilet mit grünen Bohnen, Erbsen mit Snuten und Poten, Labskaus, Pfeffer-Potthast, Döbbekoche, Lewwerknepp und endet noch lange nicht bei Pfitzauf und Spätzle. Wie soll man sich da bitte für drei Rezepte entscheiden?

Unsere reizende Jule hatte den guten Einfall, die Rezepte nach der Herkunft unserer Stürmer im Team auszuwählen. Mario, Verzeihung, Thomas Müller vertritt dabei Bayern und Lukas Podolski das Rheinland (auch wenn er eigentlich gebürtiger Pole ist, so bleibt er doch immer ne Kölsche Jong). Als Tochter einer rheinländischen Mutter und eines fränkischen Vaters, sind beide Regionen meine Heimat. Leben tu’ ich aber in Berlin, und weil die Abwehrspieler ebenso wie die Stürmer für unseren bevorstehenden Sieg verantwortlich sein werden, wird der dritte Part des Gerichts vom Berliner Jérôme Boateng ergänzt.

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(Hendrik hat´s auf den Punkt gebracht: „Frau und Herr Hipsterfoodblogger auf einer Dachterrasse mitten in Berlin, die nicht mehr miteinander sprechen und sich stattdessen nur noch über whatsapp und instagram unterhalten.“ Wie schön, dass wir uns alle so ernst nehmen … Foto: Chris Goebel)

Meine Mittagsmitesser sind diesmal – ziemlich spontan – Chris von der Gewürzkampagne, (genau, mit den Spiceboys teile ich mir ein Büro samt himmlischer Dachterasse) und kein geringerer Foodbloggerkollege als Hendrik Haase aka Wurstsack.

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Was gibt’s also?

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Frischen rheinländischen Rettichsalat mit zart fruchtigem fränkischen Majoranfilet (mit Gewürzkampagnen-Majoran – eh klar!) und cremigem berliner Erbsenpüree. Und ne’ Pulle Riesling, ne’ Portion Sonnenstrahlen samt freiem Blick über die Dächer Berlins von unserer  – ich muss es noch mal betonen – ziemlich großartigen Dachterasse. Super Kombi – da können wir heute ja nur gewinnen!

Rettichsalat aus dem Rheinland

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Horst Scharfenberg über das Rezept:

Ein Rezept aus Idar-Oberstein. Dort wirdder Rettichsalat zu Spießbraten vom Grill serviert.Eine ausgezeichnete Beilage auch zu anderemgegrilltem Fleisch.

Zutaten

4 bis 6 mittelgroße Rettiche, möglichst weiße
Salz
Saft von 2 Zitronen
1kleine Prise Zucker
1/4l dicke saure Sahne

Zubereitung

  1. Rettiche schälen und in Streifchen raffeln. Salzen und etwa 10 Minuten stehenlassen. Dabei zwei- oder dreimal durchheben.
  2. Zitronensaft mit dem Zucker verrühren und über die Rettiche gießen. Nochmals durchheben und mit der sauren Sahne vermischen und servieren.

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Fränkisches Majoranfilet

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Horst Scharfenberg über das Rezept:

Ein Rezept aus Kissingen, das mir der Küchenchef des dortigen Steigenberger-Hotels verraten hat.

Zutaten

1 bis 1 1/2 Schweinelenden
Salz
Pfeffer aus der Mühle
Senf
3 EL Schmalz
1 große Zwiebel
1 großer Apfel
2 EL Butter
1 EL gerebelter Majoran

Zubereitung

  1. Schweinelende in etwa 3 cm dicke Stücke schneiden, diese ganz leicht klopfen, mit wenig Salz und Pfeffer bestreuen und anschließend mit etwas Senf bestreichen.
  2. In einem Bratgeschirr das Schmalz erhitzen und darin die in Scheiben geschnittene Zwiebel sowie den geschälten, entkernten Apfel in Schnitzen andünsten. Butter zugeben.
  3. Die Filetscheiben beidseitig bräunen. Danach die Hitze reduzieren und die Pfanne zudecken.
  4. Nach etwa 3 Minuten wird das Fleisch mit reichlich Majoran bestreut; man lässt es noch etwa 2 Minuten in der zugedeckten Pfanne ziehen.

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Berliner Erbspüree / Erbsenpüree

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Horst Scharfenberg über das Rezept:

Beide Schreibweisen sind möglich und gebräuchlich. Es handelt sich um die berühmte Beilage zum Berliner Eisbein. Dabei bleibt unverständlich, dass sich dieses köstliche Püree nicht auf allen deutschen Schlachtplatten breit gemacht hat. Am Geschmack kann es nicht liegen, denn der ist unbestritten gut; wahrscheinlich lag es früher daran, dass es zur winterlichen Zeit der Schlachtfeste keine frischen Erbsen gab. Inzwischen hilft jedoch die Tiefkühltruhe dieses Problem zu lösen. Also ran, ihr treudeutschen Feinschmecker, ran ans Berliner Erbspüree, das eure Zungen wird glücklich schnalzen lassen!

Zutaten

1 kg frische grüne Erbsen (Rohgewicht)
40 g Butter
2 Schalotten
Salz und weißer Pfeffer aus der Mühle
1 TL Zucker
1 Tasse Fleischbrühe (eventuell etwas mehr)
200 g geschälte und in Stücke geschnittene Kartoffeln
1/8 l süße Sahne
Salz, kräftig geriebene Muskatnuss und wenig Zucker

Zubereitung

  1. Die Erbsen aushülsen, waschen und etwas abtropfen lassen. Die Butter im Topf zerlassen und darin die kleinwürfelig geschnittenen Schalotten kurz angehen lassen; sie dürfen dabei keine Farbe nehmen.
  2. Erbsen zugeben und verrühren. Salz, Pfeffer und Zucker beifügen. Die Brühe zugießen und die Erbsen weich kochen.
  3. In einem anderen Topf die Kartoffeln sehr weich mit etwas Salz kochen. Noch warm durch eine Presse oder ein feines Sieb drücken, mit der Sahne verrühren und abschmecken mit Salz, Muskatnuss und etwas Zucker.
  4. Sind die Erbsen gar, so werden sie püriert und anschließend mit dem Kartoffelbrei verrührt. Beides zusammen auf geringer Hitze gut warm halten und noch einmal abschmecken.

 

Aus Deutschlands KüchenRezept oben entnommen aus
Horst Scharfenberg
Aus Deutschlands Küchen
ISBN 978-3-7750-0415-2
1. Neuauflage, gebunden, 775 Seiten, 292 scharz-weiß Illustrationen (aus alten Stichen)
34,00 € (D), 44,80 Fr. (CH), 35,00 € (A)

 

 

 

 

ArianeAriane ist Autorin dieses Artikels, sie kocht und fotografiert in freier Mitarbeit für Mizzis Küchenblock neue Rezepte nach ihrer Wahl aus dem Hädecke-Programm.

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