Silvestermenü 2014: Russland

Die Zeit der guten Vorsätze hat begonnen. Während der Weihnachtstage, zwischen bunten Geschenken und berauschenden Festmahlen, sind mir die besinnlichen Momente am Liebsten. Die Moment zwischen den Jahren, an denen man über das vergangene Jahr nachdenken kann.

2013 war für mich ein Jahr der Veränderung. Es gab zahlreiche überaschend schöne, ein paar traurige aber auch viele aufregende Momente. Da war z.B. meine kulinarische Reise durch die Streetfood-Küchen Vietnams Anfang des Jahres (hier nachzulesen: Nachgekocht: Vietnam-Streetfood
Kulinarische Reisepost aus Vietnam Teil 1 – Hanoi, Teil 2 – Hanoi, Teil 3 – Hue, Teil 4– Hoi An), die gemeinsame FoodbloggerInnen-Kocherei im Mai anlässlich der Veröffentlichung meines Buchs in der Caramelized App, meine erste Frankfurter Buchmesse als Jungautorin und die gleichzeitige Veröffentlichung meines Buchs Foodblogs und ihre besten Rezepte, oder der 3. Kampagnentisch der Gewürzkampagne bei dem ich für 35 genussbegeisterte Menschen ein 4-Gänge-Menü aus meinem Buch gekocht habe. Aber eine Sache wird mir in ganz besonderer Erinnerung bleiben: Der Moment in dem meine stolze Oma das Buch zum ersten Mal das ihr gewidmete Buch in den Händen hält, ihr Strahlen in den Augen und wie ihre alten Hände zärtlich über das Buch streicheln. Unfassbar schön!

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Und nun steht das neue Jahr vor der Tür. Frisch und unberührt, wie ein weißes unbeschriebenes Blatt Papier. Dahinter verbergen sich Überraschungen – wie in einer Wundertüte.

Eine essbare Wundertüte verbirgt sich auch in meinem diesjährigen Silvestermenü, dass ich vorige Woche mit meinen Großeltern und meinem kleinen Bruder zelebriert habe.

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Bevor ich aber verrate womit es sich bei dieser Wundertüte auf sich hat, gibt es noch die Vorspeise: salat is seldi – Russischer Heringssalat.

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1. Gang Hädecke-Silvestermenü

salat is seldi – Heringssalat

für 4 Portionen (Russen sind gute Esser!)

Die „Sakuski“ sind Ausdruck russischer Gastfreundschaft. Räucherfisch, Kaviar mit dickem Schwand, Pasteten sowie saure Gürkchen, Rote Bete – und natürlich Heringe – gehören zu den Appetitweckern. Dazu unbedingt ein Glas Wodka!

Zutaten

230 g Salzheringsfilets
2–3 gekochte Kartoffeln, festkochend
1 Zwiebel
2 hart gekochte Eier
2 gekochte Rote Bete
2 Möhren
125 g russische Salatmayonnaise Provencal (erhältlich im gut sortierten Lebensmittelhandel, Mayonnaise mit Olivenöl zubereitet)

Zubereitung

  1. Heringfilets unter kaltem Wasser abspülen, trocken tupfen. Zusammen mit den gepellten Kartoffeln, den Zwiebeln und Eiern in kleine Würfel schneiden. Rote Bete und Möhren grob raspeln.
  2. In eine zweite Schüssel zuerst Kartoffelwürfel, dann Hering, Zwiebel, Eier, darauf das geraspelte Gemüse und eine Schicht Mayonnaise geben. Diesen Vorgang wiederholen und mit Mayonnaise abschließen.
  3. „„Heringssalat mit Folie bedeckt im Kühlschrank ca. 3 Stunden durchziehen lassen. Etwa 15 Minuten vor dem Servieren herausnehmen.

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Kulebjaka, eine russische Krautpastete, ist meine Silvester-Wundertüte. Als ich auf der Suche nach einem Silvestermenü durch das Buch Russland – Genussreise und Rezepte blätterte, stolperte ich über das traditionelle russische Gericht. Ich hatte neulich in Anya von Bremzens Buch Höhepunkte sowjetischer Kochkunst davon gelesen und weil sie der Kulebjaka fast ein ganzes Kapitel gewidmet hatte, musste ich das Rezept unbedingt ausprobieren.

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Zugegeben – die Pastete ist ausgesprochen zeitaufwändig. Aber für Wunder und Überraschungen – und überhaupt – die Verabschiedung des alten Jahrs, darf es auch ein bisschen aufwändiger sein, oder? Die Zutaten für das russische Festmahl sind dafür simpel, ja, fast unspektakulär und deswegen mag ich das Rezept so sehr:

2. Gang Hädecke-Silvestermenü

kulebjaka – kohlpastete

für 4 Portionen (s.o.)

Die Kulebjaka gehört zu den sehr alten, klassischen russischen Rezepten. Früher wurde sie auch in Schänken serviert. Ihr Name leitet sich von „kulebjaschit“ ab, was so viel wie „mit der Hand formen“ bedeutet.

Hefeteig

400 g Weizenmehl
25 g frische Hefe
200 ml Milch
1 Ei
80 g Butter, zerlassen
1 Msp. Salz
1 TL Zucker

Füllung

500 g Weißkohl
100 g Schinkenspeck, gewürfelt
2 Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
200 ml Fleischbouillon, gut gewürzt

250 g Rinderhackfleisch
3 Zwiebeln, klein gehackt
2 EL Sonnenblumenöl

300 g Champignons
30 g Butter
Salz und Pfeffer

80 g Langkornreis
200 ml Bouillon
4 Eier
3 EL Dill, feingehackt
2 EL Petersilie, gehackt
1 Ei zum Bestreichen

Zubereitung

  1. Mehl in eine Schüssel sieben, die Mulde eindrücken. Hefe in warmer Milch auflösen, in die Mulde gießen, dann Ei und zerlassene Butter, Salz und Zucker dazugeben und Ales zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Zugedeckt an einem warmen Ort ca. 1 Stunde ruhen lassen.
  2. Kohl in schmale Streifen schneiden; Speck in einem Topf langsam auslassen. Zwiebeln klein hacken, Knoblauch zerdrücken, beides zum Speck geben. Mix
  3. „„Hackfleisch und klein gehackte Zwiebeln in heißem Öl anbraten, 10 Minuten auf kleiner Flamme weiterbraten und dann kalt stellen.
  4. „„Champignons in Scheiben schneiden und in Butter anbraten, salzen, pfeffern und so lange schmoren, bis die Flüssigkeit verdampft ist. Anschließend vom Herd nehmen. Reis mit Bouillon aufkochen, auf kleiner Flamme ausdampfen und abkühlen lassen.
  5. „„Eier hart kochen, kalt abschrecken, abpellen und in Scheiben schneiden.
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  7. „„Hefeteig teilen und eine Hälfte auf einem Backblech ausrollen. Die einzelnen Füllungen müssen ganz erkaltet und ohne Flüssigkeitsrückstände sein, damit der Teig nicht durchweicht.
  8. Zuerst die Teigplatte mit Reis belegen, dann den Weißkohl, Hackfleisch, Champignons und zuletzt die Eischeiben, mit Dill und Petersilie bestreut, darauf verteilen. Die andere Teighälfte ausrollen (größer als die Grundplatte), über die Füllung stülpen, die Ränder mit Ei bestreichen und fest zusammendrücken.
  9. „„Ein Loch in die Oberfläche schneiden (damit der Dampf abziehen kann) und die Pastete mit übrig gebliebenen Teigresten verzieren. Die ganze Pastete mit Ei bepinseln und im vorgeheizten Backofen bei 180 °C ca. 40 Minuten auf der mittleren Schiene goldbraun backen.

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Und weil ich bei meinen Großeltern bin und zu Silvester traditionell Berliner (oder wie man in Berlin sagt: Pfannkuchen) gegessen werden, gibt’s zum Nachtisch Krebbele nach dem Rezept einer Oma (das Rezept verbirgt sich hinter dem Link).

Lasst euch das alte Jahr noch mal so richtig gut schmecken, lasst die schönsten (Genuss)Momente an euch vorbeiziehen und freut euch auf die kommenden Wunder des neuen Jahrs!

Und das macht besonders viel Spaß, wenn man dabei ein bisschen lustig wird:

Sauerkirschbowle der Großtante Hortense

aus dem Hädecke-Archiv

In den Achtzigern erschien bei Hädecke der Titel „Großtante Hortens – Bowlen, Punschen und Amouren“ mit Liebesabenteuern der illustren Dame nebst passenden alkoholischen Rezepten. Auch mit einem Russen war sie kurz liiert, Graf Wladimir Patinikow. Und so passt dieses Rezept wunderbar zum diesjährigen Silvestermenü von Ariane.

Zutaten

500 g Sauerkirschen (entsteint)
4 Gläschen Cherry-Marnier (Cherry-Brandy)
1 Gläschen Crème de Cassis
2 Gläschen Maraschino
3 EL Zucker
2 Flaschen Burgunder
1 FLasche roter Krimsekt

Zubereitung

  1. Sauerkirschen in eine große Schüssel geben, mit Cherry-Brandy, Crème de Cassis und Maraschino übergießen. Zucker dazugeben und mindestens 3 Stunden ziehen lassen
  2. Burgunder und Krimsekt zum Sauerkirschenansatz hinzugeben, umrühren, fertig.

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Prost und einen guten Rutsch ins Jahr 2014!

 

 

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Rezepte entnommen aus
Barbara Boudon, Ludmilla Suchich, Michael Boyny, Michael Pannewitz
Russland
Genussreise und Rezepte
ISBN 978-3-7750-0539-5
2. Neuauflage, Hardcover, 136 Seiten, 160 Farbfotos
19,90 € (D), 24,80 Fr. (CH), 20,50 € (A)

 

 

ArianeAriane ist Autorin dieses Artikels, sie kocht und fotografiert in freier Mitarbeit für Mizzis Küchenblock neue Rezepte nach ihrer Wahl aus dem Hädecke-Programm.

 

 

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