Nachgekocht: Weiberwirtschaften in Südtirol

Die Buchmessezeit war so spannend, dass die letzten Wochen nur so an mir vorbeigehuscht sind. Beim Blick aus dem Fenster stelle ich nun erstaunt fest: Huch, wie ist das denn passiert? Wir haben ja auf einmal Herbst!

Wie schön, dass die Natur sich jetzt noch mal von ihrer Schokoladenseite zeigt, bevor sich der graue Winter ankündigt: Sie lässt die Bäume in den schönsten Farben schillern, die Blätter golden von den Bäumen purzeln, den Boden rascheln und die Luft am frühen Morgen nach feuchtem Laub duften. Am liebsten würde ich es wie Frederick die Maus machen: Sonnenstrahlen, Farben, Wörter, Düfte, Träume und Erinnerungen sammeln und konservieren, damit der Berliner Winter nicht ganz so grau und trist wird.

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Aber wie macht man das? Raus in die Natur! Und deswegen machen wir heute einen kulinarische Kurztrip nach Südtirol, hier trifft Natur auf Genuss.

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Die Autorin Elisabeth Augustin und die Fotografin Anneliese Kompatscher haben dreißig Südtiroler Wirtinnen in die Kochtöpfe geguckt und den multikulinarischen Mix aus rauem Norden und heiterem Süden zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Neben Knödel, Speck, Krapfen, Schüttelbrot, Antipasti, Risotti und Pasta lernt man in diesem schönen Buch, das Kochbuch und Ausflugsführer miteinander vereint, vorallem die Persönlichkeiten hinter den Tresen der Buschenschanken, Bauernhöfe, Berghütten, Vinotheken oder Dorfgaststätten kennen: 30 verschiedene Wirtinnen mit Leib und Seele, die mit ihren Lieblingsrezepten die Vielfalt der Region präsentieren. Da wäre z.B. Ingrid Pardatscher, die ihre Gäste im Gasthof Fichtenhof mit Slow-Food-Küche verwöhnt (die Videos auf der Homepage sind sehr sehenswert, da kann man die Hausherrin in ihrer Küche in Aktion sehen). Oder Maya Gruber, die ihre kreative Ader in der Dekorationswerkstatt und dem Grillrestaurant Pinzoner Keller auslebt.

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Passend zur Kürbiszeit hat mich Mathilde Senn aus dem Martelltal mit ihren Kürbisgnocchi alla romana zum Nachkochen inspiriert. Den Gasthof Bad Salt führt die Südtirolerin als Ein-Frau-Betrieb und ganz nebenbei züchtet sie Gemüse und Obst im eigenen Garten, was auf über 1100 Meter wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist.
Die Gnocchi gelingen mir zwar visuell betrachtet nicht ganz so wie das Vorbild im Buch (liegt es am Hartweizengrieß?), geschmacklich sind sie aber top!

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Für den Nachtisch hat mich Maridl Stieger mit den legendären Marillenknödeln verzaubert. Die Wirtin serviert in der Laaser Krone, einer Mischung aus Tiroler und italienischem Gasthaus, gemeinsam mit ihren Schwestern Olinda und Herta einfache, bodenständige Küche: Tagessuppe, Speckknödel mit Suppe, Maccheroni, Teigtaschen, gegrillte Polenta mit Gorgonzola oder Thunfisch, Bruschette mit Tomaten und Mozzarella, Pizzette oder Vinschger Bauerntoast. Läuft euch jetzt das Wasser im Mund zusammen? Dann probiert mal ihre Vinschger Marillenknödel – die machen süchtig!

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Süchtig macht auch dieses traumhafte Herbstwetter und deswegen werde ich mir jetzt meinen Schal um den Hals werfen, die letzten Sonnenstrahlen für die kommenden kalten Wintertage einsammeln und von meiner nächsten kulinarischen Entdeckungsreise träumen …

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Gnocchi mit Kürbis alla romana

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Rezept: © Mathilde Senn, Gasthof Bad Salt
für 4 Portionen

Zutaten

300 g Kürbis
einige frische Salbeiblätter
750 ml Milch
Salz
frisch geriebene Muskatnuss
70 g Butter
200 g Hartweizengrieß
1 Eigelb
70 g frisch geriebener Parmesan

Zubereitung

  1. Den Backofen auf 200 °C vorheizen.
  2. Den Kürbis in grobe Würfel schneiden. Zusammen mit den Salbeiblättern in Alufolie wickeln, sorgfältig verschließen und im heißen Ofen etwa 1 Stunde backen. Abkühlen lassen und den Kürbis passieren. Die Backofentemperatur auf 180 °C reduzieren.
  3. Milch, Salz, Muskat und etwas Butter leicht erhitzen. Den Hartweizengrieß unter ständigem Rühren einrieseln lassen und 10 Minuten bei leichter Hitze köcheln lassen, dabei ständig mit einem Holzkochlöffel rühren. Das Eigelb und die passierte Kürbismasse vorsichtig untermengen.
  4. Die Masse auf eine mit Wasser befeuchtete Arbeitsfläche geben, mit einem Spatel 2 cm dick glatt streichen und auskühlen lassen.
  5. Mit einem Glas Scheiben oder einem Teigrädchen Halbmonde ausstechen bzw. ausschneiden und diese auf ein gebuttertes Blech setzen. Mit Butterflocken, in Streifen geschnittenen Salbeiblättern und Parmesan bestreuen. Im heißen Ofen ½ Stunde gratinieren.
  6. Die Gnocchi auf den Tellern anrichten. Dazu eine Tomaten­sauce servieren.

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Marillenknödel

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Rezept: © Maridl Steiger, Gasthaus Zur Krone in Laas
Ergibt etwa 18 Stück

Für den Topfenteig

60 g Butter
1 Ei
150 g Topfen
120 g Mehl
1 gehäufter EL feiner Grieß

Außerdem

etwa 18 Vinschger Marillen
Brösel
Zucker und Zimt, ­miteinander vermengt
Butter

Zubereitung

  1. Die Butter und das Ei flaumig rühren. Anschließend den Topfen, Mehl und Grieß hinzufügen und sorgfältig vermengen. Mit bemehlten Händen kleine Knödel formen und in die Mitte jeweils eine Marille drücken.
  2. Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Knödel 10–15 Minuten sieden lassen. Mit einem Schaumlöffel heraus­nehmen und auf Küchenpapier abtropfen lassen. In den Bröseln und dem Zimtzucker wälzen und mit der heißen Butter über­ziehen.

Guten Appetit!

 

Südtiroler Weiberwirtschaften
Rezepte entnommen aus
Elisabeth Augustin, Anneliese Kompatscher, Ria Lottermoser (Hrsg.)
Südtiroler Weiberwirtschaften
Refugien für Leib & Seele – 30 Wirtinnen und ihre Lieblingsrezepte
1. Auflage, gebunden, 176 Seiten, 193 Farbfotos (und eine Übersichtskarte der vorgestellten Häuser)
ISBN 978-3-7750-0649-1

 

 

Ariane

Ariane ist Autorin dieses Artikels, sie kocht und fotografiert in freier Mitarbeit für Mizzis Küchenblock neue Rezepte nach ihrer Wahl aus dem Hädecke-Programm.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Frau Kampi 25. Oktober 2013 at 16:10 · Antworten

    Mit Südtirol kriegste mich, weißte ja. Schöner Post, tolle Fotos. Und meine Bücherwunschliste ist mal wieder um ein Buch reicher geworden. Danke!
    Liebe Grüße, Sandra

    • Ariane 25. Oktober 2013 at 16:55 · Antworten

      Das freut mich sehr, du bist ja quasi DIE Südtirol-Fachfrau ;) Ich musste gerade an unsere Bozen-Reise im Frühjahr denken – wie schnell die Zeit vergeht …

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