Nachgekocht: Das Chili Kochbuch

Mit Hunger einen Blogpost schreiben – das ist Folter. Aber da muss ich jetzt durch und mich bis zur nächsten Mahlzeit gedulden, schließlich möchte ich euch heute dieses wunderbare Kochbuch vorstellen, dass ich im Spätsommer zusammen mit meiner Mama auf Herz und Nieren getestet habe: Das Chili Kochbuch von Dan May.

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Ende September war ich in der Düsseldorfer Heimat, gute Familienfreunde waren eingeladen und die sollten selbstverständlich kulinarisch verwöhnt werden. Das Chili-Kochbuch war einige Tage zuvor mit der Post gekommen und im Garten entdeckte ich unser Chili-Bäumchen, dessen Äste zahlreiche kleine leuchtende Chilischoten trugen. Also war klar – unser gemeinsamer Abend sollte ganz im Zeichen der Chili stehen.

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Bevor die Kocherei begann, studierten Mutter und Tochter aber zuerst mal brav das Vorwort, denn der Autor Dan May hat dort einige interessante Details über Chilis zu berichten:

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Wie kommt einer auf die Idee, gegen alle bekannten Gartenbauregeln, in Nordengland 60 verschiedene Chilisorten aus aller Welt anzupflanzen? Und wie wird aus dieser Leidenschaft eine Geschäftidee, aus der dann wiederum dieses Kochbuch entstanden ist? Die sehr sympathische Antwort Dan Mays lautet:

“Es ist fantastisch, was man erreichen kann, wenn man fernab von Leuten wohnt, die einem ständig einreden, es könne nicht klappen.“

Dan May hat der tropischen Chilipflanze ein neues zu Hause gegeben und obwohl er nie Chilibauer werden wollte, betrieb er die nördlichste Chilifarm weltweit, zauberte daraus die „leckersten Chilisaucen der Welt“ und verkaufte diese unter der Marke “Trees can’t dance”. Leider musste er diese tolle Geschäftsidee vor kurzem wieder aufgeben, aber die tollen Rezepte hat er uns zum Glück nicht vorenthalten.

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In seinem Chili-Kochbuch zeigt er nun, was die scharfe Schote alles zu bieten hat. Entstanden ist daraus eine Sammlung verschiedener Chili-Gerichte aus aller Welt: Von süßlich und mild bis fruchtig und atemberaubend, findet man in diesem Buch Suppen, Salate, Hauptgerichte, Beilagen, Saucen, Dips, Desserts und Getränke. Aber das ist nicht alles: Neben den Rezepten gibt er Tipps zum eigenen Chilianbau und erklärt alles Wissenswerte über die Geschichte und Verbreitung von Chilis, dem gesundheitlichen Mehrwert und der Herkunft der Schärfe der Pflanze.

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Dann ging’s auch schon los mit unserer Chili-Kocherei – die Gäste sollten schließlich nicht in leere Töpfe blicken. Wir blätterten uns durch das Buch, bewunderten die stimmungsvollen Foodfotos und klebten Post-its hinein, bis wir feststellten das beinahe jede Seite mit einem kleinen Zettelchen versehen war: Spanische Kartoffelsuppe mit Knoblauch und Chorizo, Thailändische Nudelsuppe mit Rindfleisch, Krabbenküchlein mit Chili-Limetten-Mayonnaise, Graved Lachs mit Chili Beize, Stracotto di Manzo: italienischer Schmorbraten, Hähnchen mit Mango-Chili-Marinade, Fischeintopf nach Cajun-Art, Ingwer-Chili-Trüffelpraline, Chili-Eiscreme oder Trockenfrüchte-Salat mit Ingwer-Mascarponecreme?

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Nach langem Hin- und herüberlegen entschieden wir uns dafür: Tapas mit marinierten Oliven und grünen Piementos und Nordafrikanischer Bohneneintopf .

Dampfende Kochtöpfe, blubbernde Saucen, spritzendes Fett, brennende Finger, tränende Augen und ein paar Gläser Köchinnenwein – meine Mama und ich hatten Spaß bevor der Besuch zur Küchentür hineinblickte.

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Die Piementos de Pádron frittierten wir ganz frisch und servierten sie zusammen mit Altbier im Garten, bis wir fast im Dunkeln standen. Zwischendurch erfuhren wir, dass unser Besuch am Abend zuvor schon mit Chili con carne bekocht wurde. Mist! Unser Nordafrikanischer Bohneneintopf, und auch alle anderen Gerichte dieses Abends, waren zum Glück fleischlos. Mit Quinoa, getrockneten Aprikosen, Rosinen, Kichererbsen und Bohnen konnten wir trumpfen, wer braucht da noch Carne im Chili?

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Der Abend wurde lang, die Bäuche immer runder und die Geschichten von Früher immer länger. In diesem wirklich schönen Buch finden sich noch so einige Rezepte für solch stimmungsvolle Abende – die Zettelchen im Buch können also noch abgearbeitet werden.

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Und weil es so viel Spaß gemacht hat, habe ich das neulich mit viel Hunger und Zeitnot auch gleich gemacht. Es gab Karibische Thunfisch-Erbsen-Sauce – schnelles Soulfood, verdammt lecker und der Geldbeutel wird dabei sogar auch noch geschohnt. Im Buch finden sich Rezepte zu jedem Anlass und für jede Laune.

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Und da heute Halloween ist, wäre doch auch ein guter Tag um ein feuriges Chili-Rezept zu kochen, schließlich werden Chilis in einigen Ländern auch zur Abschreckung von Vampiren und Werwölfen verwendet …

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Tapas mit marinierten Oliven und grünen Pimientos

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Dan May: Zwei geniale Möglichkeiten, um Chilis in Ihre Tapas zu zaubern: Die Oliven können im Voraus hergestellt, die grünen Pimientos de Pádron müssen frisch zubereitet werden. Diese spanischen grünen Peperoni sind manchmal schwer zu bekommen, legen Sie sich also einen kleinen Vorrat im Kühlschrank an, falls Sie welche finden.

für 4–6 Portionen

Für die Oliven:

200 ml Olivenöl in guter Qualität
3 Knoblauchzehen, zerstoßen
1 großer Stängel Rosmarin
1 scharfe rote Chilischote,
in sehr feine Ringe geschnitten
1 unbehandelte Bio-Zitrone, abgeriebene Schale
400 g entsteinte schwarze Oliven (Sorte nach Geschmack)

Für die Peperoni:

20 kleine spanische grüne Peperoni, möglichst Pimientós de Pádron
1 EL Olivenöl in guter Qualität
grobes Meersalz

Zubereitung

  1. Für die marinierten Oliven das Öl, Knoblauch und Rosmarin in einem Topf sehr (!) sanft erwärmen, bis sich erste kleine Bläschen an der Oberfläche zeigen. Topf sofort vom Herd nehmen, Chilischote und abgeriebene Zitronenschale dazugeben und abkühlen lassen.
  2. In der Zwischenzeit Oliven abspülen, abtropfen lassen und mit Küchenpapier trocken tupfen. In ein großes Glas oder eine Schüssel geben. Aromatisiertes Olivenöl abkühlen lassen und über die abgetropften Oliven geben. Bei Zimmertemperatur mindestens zwei Stunden vor dem Servieren ziehen lassen, aber zwischendurch immer wieder leicht rütteln oder schütteln, damit die Oliven das Aroma aufnehmen. Möglichst lange durchziehen lassen, das verbessert ihren Geschmack.
  3. Für die grünen Peperoni die Pimientos de Pádron waschen und mit Küchenpapier abtupfen. Stielansatz nicht entfernen. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Peperoni bei mittlerer Hitze in kleinen Portionen anbraten, dabei immer wieder wenden, bis sie Farbe nehmen und die Haut Blasen wirft. Peperoni aus der Pfanne nehmen und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Mit grobem Meersalz würzen und servieren.
  4. Zu den Tapas entweder die perfekte Bloody Mary (Rezept im Buch auf Seite 154) oder ein kühles Bier sowie reichlich Brot servieren, um damit das leckere Öl aufzunehmen.
  5. Mit einem Glas Scheiben oder einem Teigrädchen Halbmonde ausstechen bzw. ausschneiden und diese auf ein gebuttertes Blech setzen. Mit Butterflocken, in Streifen geschnittenen Salbeiblättern und Parmesan bestreuen. Im heißen Ofen ½ Stunde gratinieren.

Tipp des Autors
Obwohl Pimientos de Pádron meist recht mild sind, kann eine von zehn auch sehr scharf schmecken. Wir tunken die Peperoni manchmal in das Öl der marinierten Oliven. Einfach köstlich!

Empfohlene Chilis
Pimientos de Pádron sind meist ab Ende Juni erhältlich. Sie können durch milde grüne Chilis ersetzt werden.

Nordafrikanischer Bohneneintopf

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Dan May: Ein Bohneneintopf mit Biss, der alle begeistert. Baharat gibt es im Mittleren Osten und Nordafrika, mit Piment bekommt es eine marokkanische Note. Quinoa stammt zwar aus Südamerika, passt aber hervorragend dazu.

für 8 Portionen

Zutaten

200 g rote Linsen
100 g Quinoa
1 TL Baharat-Gewürzmischung, z.B. aus Paprika, Kreuzkümmel, Pfeffer, Schwarzkümmel, Piment, Nelken, Koriander, Muskatnuss, Zimt, Knoblauch und Kardamom (oder eine andere nordafrikanische Mischung)
1 EL Olivenöl
2 Zwiebeln, geschält und gehackt
6 Knoblauchzehen, geschält und zerstoßen
800 g Pizzatomaten
600 ml Gemüsebrühe
1–3 EL afrikanische scharfe Chili- oder Pfeffersauce (z. B. Piri Piri oder Chakalaka), nach Geschmack und Schärfe
2 Lorbeerblätter
1 großer Stängel Thymian
75 g getrocknete Aprikosen, gehackt
75 g Rosinen
scharfe rote Chilischoten, gehackt (Menge nach Belieben)
800 g gemischte Bohnen, gegart und abgetropft
400 g Kichererbsen, gegart und abgetropft
2 reife rote Gemüsepaprika, geputzt, von den Samen befreit und in Streifen geschnitten
Meersalz und schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen

Beilage:

Couscous, Vollkornreis oder Brot

Außerdem: ofenfester Schmortopf, mit Deckel

Zubereitung

  1. Linsen und Quinoa gründlich abspülen und in einen Topf geben. Mit der doppelten Menge an kochendem Wasser übergießen und aufkochen. Hitze auf ein Minimum reduzieren, Baharat-Gewürzmischung hinzufügen und mit halb aufgelegtem Deckel in 10–15 Minuten fast garziehen lassen, bei Bedarf Wasser zugießen.
  2. Öl in einem Schmortopf erhitzen, Zwiebeln und den Knoblauch darin hell anschwitzen. Mit den stückigen Tomaten und der Gemüsebrühe ablöschen.
  3. Afrikanische scharfe Sauce, Lorbeerblätter, Thymian, Aprikosen, Rosinen, Chilischoten, gemischte Bohnen, Kichererbsen und Paprikaschoten dazugeben und gut untermischen. Eintopf kurz aufkochen lassen, dann die Hitze stark reduzieren und für mindestens eine Stunde köcheln lassen, zwischendurch umrühren. 15 Minuten vor Ende der Garzeit die gekochten Linsen und Quinoa untermischen.
  4. Falls der Eintopf zu trocken aussieht, noch etwas Fond angießen. Er sollte insgesamt eine etwas dickliche Konsistenz haben. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  5. Mit Couscous, Vollkornreis oder frischem Brot servieren.

Tipp des Autors
Eine authentische Note bekommt der Eintopf, wenn Sie zwei Fataali-Chilis fein würfeln und in einem Extraschälchen auf den Tisch stellen. Ganz Mutige streuen sich die scharfen Würfel über ihren Eintopf. Diese feurigen Habaneros stammen aus Zentralafrika und haben ein wahnsinniges Aroma, wenn sie frisch sind.

Empfohlene Chilis
Ring of Fire, Cherry Bomb oder Zanzibar-Chilis für den Eintopf. Fataali, Antillais Caribbean oder Scotch Bonnet zum Bestreuen.

 

ArianeAriane ist Autorin dieses Artikels, sie kocht und fotografiert in freier Mitarbeit für Mizzis Küchenblock neue Rezepte nach ihrer Wahl aus dem Hädecke-Programm.

 

 

Dan May’s Chili Kochbuch
Rezepte entnommen aus
Dan May‘s Chili Kochbuch
Fotos von Peter Cassidy
160 Seiten, 86 Farbfotos, 195 x 242 mm
mattcellophaniertes Hardcover mit Spotlack
€ [D] 26,– / € [A] 26,70
ISBN 978-3-7750-0640-8

 

 

 

 

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