Wild Urban Gardening · Teil 2

Der Frühling hat nun endlich Einzug gehalten, die Blüten und Pflanzen vor der Türe sprießen, alles wird endlich bunt und darum ist es auch höchste Zeit, den nächsten Teil unseres Projektes Wild Urban Gardening einzuläuten. Los geht es dieses Mal mit dem Aussäen der Brunnenkresse. Welche Form man dafür benötigt, haben wir Euch im ersten Teil [link] erzählt. Außerdem zeigt Euch unser Autor Dr. Markus Strauß, welche „wilden“ Pflanzen sich noch für den Balkon oder die Terrasse gut eignen. Natürlich gibt es auch zum zweiten Teil wieder ein Video, das Ihr auf unserem Youtube-Kanal oder direkt hier im Blog anschauen könnt.

Brunnenkresse richtig aussäen

 

In das Aufzuchtgefäß kommt eine etwa 2–3 cm dicke Schicht Pflanz- bzw. Balkonerde (wenn möglich ohne Torf), die in der Form leicht angedrückt wird. Die kleinen Brunnenkressesamen werden dann gleichmäßig auf der Erde verteilt. Keinesfalls den gesamten Inhalt der Tüte verwenden, aus einer durchschnittlich großen Form könnt ihr etwa 20–30 Pflanzen ziehen. Wichtig ist, die Samen gut zu verteilen, damit sie bei der Keimung genügend Platz haben. Welches Saatgut Ihr verwendet, bleibt Euch überlassen, wir empfehlen die Verwendung von Saatgut aus kontrolliert biologischem Anbau. Sollte eure Gärtnerei kein Bio-Saatgut im Angebot haben, könnt ihr z.B. hier welche bestellen.

Auf die Samen wird dann noch eine dünne Schicht Pflanzerde gegeben. Leicht andrücken und gut angießen. Die ideale Keimtemperatur für die Brunnenkresse liegt bei 12–15°C. Da es jetzt draußen auch nachts noch kalt sein kann, solltet Ihr das Aufzuchtgefäß also am besten in Eure Wohnung stellen, damit die Pflanzen gut gedeihen können. In etwa 2–3 Wochen ist die Brunnenkresse dann bereit für das Umtopfen in ein Fass oder ein ähnlich großes Gefäß. Bis dahin regelmäßig gießen und immer gut feucht halten – zwar nicht so dass das Wasser in der Form steht, aber auf keinen Fall trocken werden lassen.

Weitere „wilde“ Pflanzen für den Balkon

Neben der Brunnenkresse gibt es natürlich unzählige weitere Pflanzen, die sich für den Balkon eignen. Wir stellen Euch exemplarisch einige vor, die sich als Kräuter vor allem für die Küche eignen.

Apfelbeere · Aronia
Ganz im Unterschied zur Brunnenkresse, mag die Apfelbeere – oder Aronia – es auf keinen Fall zu nass. Staunässe wäre absolutes Gift für diesen Strauch, deshalb auf ein Gefäß achten, bei dem das Wasser gut abfließen kann. Ansonsten ist die Apfelbeere sehr pflegeleicht. Aus ihren Früchten kann man Saft gewinnen oder auch Marmeladen herstellen. Naturheilkundlich betrachtet sogar eine richtige Wunderpflanze, denn neben Vitamin-C und -K enthält sie eine große Menge an Flavonoiden, vor allem gut für das Immunsystem. Unser Autor hat hierzu auch in Eigenregie ein E-Book herausgebracht.

 

Marokkanische Minze aus dem Gewächshaus

Marokkanische Minze
Minze gibt es in unglaublich vielen Geschmacksrichtungen, hier solltet Ihr direkt in der Gärtnerei Eures Vertrauens die einzelnen Typen direkt ausprobieren, Blätter in die Hand nehmen, leicht zerreiben und seinen Liebling raussuchen. Die Pflanze ist recht pflegeleicht, sollte genügend Platz im Pflanzkasten haben oder besser noch einen eigenen Topf bekommen, der ihr genügend Platz bietet. Ausreichend Feuchtigkeit und ein sonniger Standort mit nährstoffrichem Boden sind ideal. Im Video geht Markus Strauß noch auf die Unterschiede zwischen Pflanzen aus dem Gewächshaus und der Staudengärtnerei ein.

 

Marokkanische Minze aus der Staudengärtnerei

Ein Tipp für alle Leser aus der Stuttgarter Region: Im Feuerbacher Tal gibt es einen tollen Minzgarten, der auch Pflanzen verkauft. Wenn Ihr noch Empfehlungen aus Eurer Gegend habt würden wir uns sehr über einen Kommentar am Ende des Artikels freuen :) Und noch ein Tipp: Bei uns gibt es auch ein Buch nur über Minze inklusive jeder Menge Rezepte.

Salbei aus dem Gewächshaus

Salbei
Auch Salbei ist recht pflegeleicht und ihn gibt es in vielen Geschmacksrichtungen. Wie die Minze braucht er viel Platz, also wählt einen nicht zu kleinen Topf, und einen hellen Standort. Aufgrund seiner Herkunft verträgt er auch eine kurze Trockenperiode, trotzdem darauf achten, dass die Pflanze regelmäßig – aber eben in größeren Abständen – Wasser bekommt. Die Erde kann mit Sand angereichert werden und man sollte einen sonnigen Platz wählen.

Salbei aus der Staudengärtnerei

Schnittlauch

Schnittlauch
Bei Schnittlauch sollte man darauf achten, die Pflanze auf jeden Fall in einem separaten Topf unterzubringen. Er braucht Platz, Luft, Licht und sollte regelmäßig feucht gehalten werden. Toller Nebeneffekt: Schnittlauch schützt seine Pflanzennachbarn vor manchen Schädlingen. Wenn Ihr den Schnittlauch kürzt, am besten 2 cm über der Erde abschneiden, so kann er gut wieder austreiben. Stängel mit Blüten ebenfalls soweit wie möglich kürzen.

Schnittknoblauch

Schnittknoblauch
Hier gelten dieselben Hinweise wie beim Schnittlauch. Der Geschmack ist etwas würziger und schärfer, ansonsten sehen die Pflanzen fast identisch aus.

Thymian

Thymian
Ebenfalls in vielen Geschmacksvarianten erhältlich. Wie der Salbei übersteht er auch hin und wieder eine kurze Trockenzeit, Staunässe bekommt ihm gar nicht. Wenn Thymian noch mehr interessiert: Auch hierzu gibt es bei Hädecke ein Buch – 22 Arten werden mit passenden Rezepten vorgestellt.

Echter Wermut

Echter Wermut
Einfach zu kultivierende Staude, die die Sonne liebt und in lockerer Erde gepflanzt werden sollte. Wermut macht optisch etwas her auf dem Balkon und vertreibt durch seinen Duft auch Ungeziefer (diesen Duft mag übrigens nicht jeder, also auf jeden Fall in der Gärtnerei daran riechen ;). Er sollte regelmäßig gegossen werden.

Bezugsquellen

Die Kräuter bekommt ihr in jeder Gärtnerei oder vielleicht noch besser Staudengärtnerei. Hier ein Tipp, wo ihr auch online die Pflanzen ordern könnt:

Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin

Staudengärtnerei Gaissmayer (Bio-Anbau)

artemisia im Allgäu (Bio-Anbau)

Und wer einen Garten hat und sich dafür entscheidet, es direkt mit Saatgut zu probieren, sollte sich einmal bei den Essbaren Landschaften umschauen.

Noch eine Info ebenfalls für die Leser aus der Region Stuttgart: Der bekannte Calendula Kräutergarten verkauft leider keine Pflanzen mehr.

Nun könnt Ihr also loslegen mit dem Pflanzprojekt auf Eurem Balkon. Wenn Ihr Tipps zu Bezugsquellen in Eurer Umgebung habt, z.B. Staudengärtnereien, freuen wir uns über Eure Kommentare. Und natürlich auch über Bilder, wie die Pflanzen bei Euch gedeihen – es gibt ja auch was zu gewinnen :)

Im dritten Teil zeigen wir Euch, wie man die Brunnenkresse richtig umtopft, und wie gut die Pflanzen bis dahin auf dem Balkon schon gediehen sind.

Die Bücher von Dr. Markus Strauß:

Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen
Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen
bestimmen, sammeln und zubereiten
ISBN 978-3-7750-0576-0
3. Auflage, Klappenbroschur, 72 Seiten, 29 Farbfotos
12 farbige Illustrationen (historische Pflanzenzeichnungen)
9,80 € (D), 14,90 Fr. (CH), 10,00 € (A)

 
 
 

Köstliches von Waldbäumen
Köstliches von Waldbäumen
bestimmen, sammeln und zubereiten
ISBN 978-3-7750-0585-2
5. Auflage, Klappenbroschur, 80 Seiten, 51 Farbfotos
(Pflanzen-, Natur- und Foodfotos sowie historische Zeichnungen)
9,80 € (D), 14,90 Fr. (CH), 10,00 € (A)

 
 
 

Köstliches von Hecken und Sträuchern
Köstliches von Hecken und Sträuchern
bestimmen, sammeln und zubereiten
ISBN 978-3-7750-0594-4
2. Auflage, Klappenbroschur, 88 Seiten, Pflanzen-, Natur- und Foodfotos sowie historische Zeichnungen, 45 Farbfotos
9,80 € (D), 14,90 Fr. (CH), 10,00 € (A)

 
 
 

Bald im Handel:
Köstliches aus Sumpf- und Wasserpflanzen
Köstliches aus Sumpf- und Wasserpflanzen
bestimmen, sammeln und zubereiten
ISBN 978-3-7750-0643-9
1. Auflage, Klappenbroschur, 80 Seiten, ca. 60 Farbfotos
9,80 € (D), 14,90 Fr. (CH), 10,00 € (A)

 
 
 

Viel Spaß beim Mitmachen!

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