Zwetschgenkuchen

Zwetschgenkuchen

Foto: © Chris Meier, BFF, Stuttgart aus Original schwäbisch backen

in Norddeutschland Pflaumenkuchen · in Bayern Zwetschgendatschi

 

Das ist der deutsche Obstkuchen Nr. 1. Die Bezeichnung „Pflaumenkuchen“ ist irreführend, denn gut kann er nie mit Pflaumen, sondern nur mit Zwetschgen werden, die, je später gereift, um so besser sind, weil sie keinen Saft mehr ziehen. Dieser Kuchen wird traditionell immer nur auf Blechen gebacken, die so groß wie möglich sein sollten. Runde Formen sind eine bedauerliche Neuzeit-Entwicklung.
In Frankfurt zog man jeden Herbst in die Vororte Seckbach oder Bergen – zum „Quetschekuche-Esse“. An großen Tischen fanden sich befreundete Familien mit Kind und Kegel zusammen. Man saß in der letzten warmen Herbstsonne. Kaffee wurde nur in großen Kannen und der „Quetschekuche“ zu Bergen getürmt auf Platten serviert. Man musste ihn gegen Bienen und Wespen verteidigen. Das gehörte auch zum Spaß der Fresserei (die es tatsächlich war – seligen Angedenkens!).

Horst Scharfenberg

Zutaten

500 g Mehl
1/4 l Milch
30 g Hefe
1 TL Zucker
1 Prise Salz
125 g Zucker
1 gestrichener TL Backpulver
125 g Butter
2 Eier
1,5 bis 2,5 kg Zwetschgen

Zubereitung

  1. Mehl in eine Schüssel sieben, Vertiefung in die Mitte drücken. Hefe mit wenigen Esslöffeln lauwarmer Milch und etwas Zucker zerreiben. In die Vertiefung füllen und mit etwas Mehl vom Rand bestäuben. Zudecken und Vorteig aufgehen lassen.
  2. Dann restliche lauwarme Milch, Salz, Zucker mit Backpulver sowie die ganz weiche Butter in den Teig arbeiten. Anschließend noch die Eier dazu. Gut kneten, bis sich der Teig von der Schüssel löst. Zugedeckt an warmem Ort aufgehen lassen.
  3. Anschließend auf einem gebutterten und leicht bemehlten Blech platt drücken und ausrollen; Ränder ganz wenig hoch drücken. Der Teig soll dünn sein. Handtuch darüber legen und noch etwa 10 Minuten ruhen lassen.
  4. Mit Zwetschgen vollstellen; die Zwetschgen wurden vorher entkernt, aufgeklappt und jede Hälfte nochmals eingeschnitten (maschinelle Entkerner machen das selbsttätig). Die auseinander geklappten Zwetschgen dürfen nicht auf den Teig gelegt, sondern müssen tatsächlich in Reihen gestellt werden. Andernfalls wird der Belag zu dünn.
  5. Mit Zwetschgen vollstellen; die Zwetschgen wurden vorher entkernt, aufgeklappt und jede Hälfte nochmals eingeschnitten (maschinelle Entkerner machen das selbsttätig). Die auseinander geklappten Zwetschgen dürfen nicht auf den Teig gelegt, sondern müssen tatsächlich in Reihen gestellt werden. Andernfalls wird der Belag zu dünn.
  6. Im vorgeheizten Ofen bei etwa 200°C in etwa 35 Minuten backen. Man erkennt den Garzustand an der goldgelben Farbe der zu Wulsten aufgegangenen Ränder.

Dieser Zwetschgenkuchen schmeckt am besten, wenn er noch ein kleines bisschen ofenwarm ist. Nie zu früh mit Zucker überstreuen, weil er dann u. U. zuviel Saft zieht.
Zwetschgenkuchen ist zusammen mit einer Kartoffelsuppe ein beliebtes Samstagsessen.

Hinweise:

  • Zwetschgenkuchen immer nur mit Hefeteig backen.
  • Die angegebene kleine Backpulverzugabe ist ein Trick, der dem Teig einen angenehmeren Biss gibt.
  • Muss man befürchten, dass die Zwetschgen zuviel Saft ziehen, weil man sich von seiner Ungeduld hat hinreißen lassen, den Kuchen zu früh in der Jahreszeit zu machen, so kann man den Teig vor dem Belegen mit Zwiebackmehl oder Haferflocken bestreuen, die beide eine Menge Saft aufsaugen.
  • Streusel oder Mandelsplitter sind moderne Zutaten, deren ein so ausgezeichneter Kuchen nicht bedarf.
  • Schlagsahne auf Zwetschgenkuchen ist durch Konditoreien in Mode gekommen; ich halte es für eine Sünde wider den alten, ehrlichen Zwetschgenkuchengeist.
  • Zwetschgenkuchen lassen sich ausgezeichnet tiefgefrieren. Im nächsten Jahr schmeckt zur frühen Pflaumen- oder Zwetschgenzeit der eingefrorene Kuchen immer noch besser als ein voreilig gebackener frischer.

Guten Appetit!

 

Rezept entnommen aus
Horst Scharfenberg
Aus Deutschlands Küchen

ISBN 978-3-7750-0415-2
1. Neuauflage, Gebunden, 775 Seiten, 292 scharz-weiß Illustrationen (aus alten Stichen)
34,00 € (D), 52,90 Fr. (CH), 35,00 € (A)

 

 

 

Kommentieren